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R.E.M.

»Spalter : Collapse Into Now«

[Warner]

Text: linus volkmann, Senta Best
[3 Kommentare]

R.E.M. sind nach wie vor die Größten. Die größten Grönemeyer-Darsteller des internationalen Rock, oder was? Der Legendenstatus von Michael Stipe und seiner Pädagogencombo langweilt viele Ex-Fans schon mal. Und das trotz eines neuen Albums mit Berlin-Wurzeln? Darf doch alles nicht wahr sein!

+ Gute Argumente für R.E.M. finden bzw. sie selbstverständlich bereits haben – mit dieser Pose kann man ja mal wieder gar keinen Hund hinterm Ofen reanimieren. Das zeigen bei dem Format »Spalter« ohnehin immer die Zugriffszahlen: Das Minus wird im Netz zehnmal so oft geklickt wie das Plus. Glaubt nicht, das bliebe unentdeckt, ihr Missgünstler! Und geht ruhig rüber in die Spalte, in der Senta Best auf der besten Alternative-Band überhaupt rumtrampelt – auf euch können Michael Stipe und ich verzichten. Wir haben nämlich die guten Songs und die Musiker um uns rum, die aussehen wie Lehrer. Na, und? Kann ja nicht jeder wie Charlie Sheen altern. Verdammtes R.E.M.-Bashing immer, dabei hat die Band für all jene »Ich fand sie nur in den 80ern mit College-Rock gut«-Penner mit der letzten Platte einen Kompromiss angeboten: »Accelerate«. Mehr College, wieder mehr Buckelpiste. Lief dennoch oder gerade deshalb nicht so gut. Viel schöner ist es, wenn R.E.M. sich auf ihr Alleinstellungsmerkmal konzentrieren: den wunderbaren Rocksong zwischen Sehnsucht und Verzweiflung. Und genau das tun sie auf »Collapse Into Now« wieder. Das Album greift die folkigen Tendenzen des Moments auf und schneidert ein Gala-Kleid draus, das man zu den besten Momenten ihrer Karriere tragen kann. Die späteren R.E.M. waren seit »Up« oder Songs wie »I’ll Take The Rain« nie besser als hier – und selbst am bandeigenen classic Folk-und-Verzweiflung-Album »Automatic For The People« wird wieder gekratzt: Die Single »Oh My Heart« ist in jedem Fall ein bittersüßer Zuckerkick fürs Gesamtwerk der Band. »It is sweet, it is sad – and it’s true«, heißt es in dem Stück. So ist es. Und so bleibt es. Und R.E.M.-Bashing ist so hässlich wie CO2-Ausstoßen. Also »try not to breathe«.

Linus Volkmann




- Ein Traum! Endlich mal dem Pack von R.E.M. eins mit dem Knüppel überziehen. Doch nicht dass ich mich zu leichtfertig als Gegenspielerin der Band geoutet habe, nicht dass mir mit »Collapse Into Now« urplötzlich doch eine ihrer Platte gefällt! Absurde Idee. Denn es scheint mir nach dem Hören völlig aberwitzig, dem neuen Album dieser Ex-Normal-jetzt-Wutbürger-Combo auch nur ein gutes Wort zuzuordnen. Warum das so ist? Vermutlich liegt es an der schnörkel- und kantenlosen Minimalkonsens-Mischung dieser besonderheitsfreien, bodenständigen Altherren-Rockpopmusik. An langweiligen Songs, die sich seit Jahrzehnten alle paar Tage per Radio dem eigenen Leben zuschalten – als unauffällige, aber ungefragte Begleiter durch den Pubertäts-, Schul- und Universitätsalltag. Die nicht mal gefühlte 20 Jahre später die Klappe halten können. Ja, muss so was denn sein? R.E.M. sind wie Herbert Grönemeyer: minimalpolitisch, kleinster gemeinsamer Papa/Tochter-Nenner, dadurch wohl extrem radiotauglich, privat sicherlich ganz nett, seit Jahrzehnten rechtschaffen erfolgreich, haben gerade das 15. Album herausgebracht, sind mit nölig-nerviger Gesangsstimme ausgestattet – und obendrauf schon viel zu lange im Geschäft. Uff! Wären R.E.M. Deutsche, würden sie sicherlich auch im schönen Bochum wohnen. Und die Welt wieder und wieder mit Songs zu retten versuchen. File under: »Stört nicht wirklich.« Was? Stört nicht? Mich stört so was ganz gewaltig, und deshalb werde ich sicher niemals in die Verlegenheit kommen, R.E.M. plötzlich doch gut zu finden.
Und dass ich auf einmal »Mensch« von Grönemeyer im Kopf hab, gibt mir den Rest.

Senta Best


 




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aus Intro #192 (Mai 2011)
 
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  • User: peterbourbon
  • peterbourbon 16.04.2011 | 10:32:26

    Das ist ja lustig. Zum ersten Mal finde ich den Contra-Part hilfloser/verzweifelter nach Luft japsend als den Pro-Part - normalerweise hat es der Letztere ja immer weitaus schwerer.
    Obwohl mich sowohl das neue Album als auch die ganz alten Sachen irgendwie auch nicht berühren. Da stehe ich wohl allein auf weiter Flur mit meinem Lieblings-Up.

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