Belle & Sebastian
»Write About Love«
[Rough Trade / Beggars / Indigo / VÖ: 08.10.2010 ]
Text:
Mario Lasar
[9 Kommentare]
Ein zwischen Leichtigkeit und Tiefgang ausbalanciertes Indie-Pop-Album, das den eingeschlagenen Werdegang fortsetzt, ohne in Routine zu erstarren.
Fast 15 Jahre Belle & Sebastian! Ich hörte sie das erste Mal im Herbst 1996, als ich vereinsamt in einem winzigen Zimmer in Oxford vor dem Radio saß. Die geistreiche Literarizität der Texte und die brüchige Dramatik der Musik zogen mich sofort in ihren Bann. Bis heute haben sich Belle & Sebastian nicht so sehr verändert.
In Hinblick auf die Gesangsaufteilung kann dieses Album als eine der kollaborativeren Arbeiten der Band gelten. Selten zuvor trat Stuart Murdoch weniger als Leadsänger in den Vordergrund als hier. Der Umstand, dass sich der ungelenke, spröde Reiz früherer Alben zusehends zugunsten eines produzierteren Klangs und reibungsloserer Interaktion verflüchtigt, lässt sich mindestens seit dem 2003er-Album "Dear Catastrophe Waitress" beobachten; aber es wäre ja verlogen, immer noch so charmant unsicher zu spielen wie am Anfang. Dabei hat sich die Band die Fähigkeit bewahrt, schmissige Lebenskrisenlieder im gewohnt locker swingenden Indie-Folk-Pop-Idiom zu schreiben. Kurz vor dem fünfzehnten Jahr ist man übrigens auch auf dem Höhepunkt der Pubertät (was das Duett mit Norah Jones entschuldigt).
In drei Worten: Lebenskrisenlieder / Ewigkeit / Indie-Pop
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Kommentare
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gnathonemus 15.10.2010 | 22:56:44
toller specht
jawoll, läuft gerade. erstmal nicht spektakulär, aber hört man das im direkten vergleich zu "tigermilk" oder "if you're feeling sinister" ist das schon eine beachtliche entwicklung. keine spur von backlash.
RadeBrecht 15.10.2010 | 22:59:36
Danke, Sie können rühren.
Die Frage ist natürlich, ob das eine Entwicklung in die richtige Richtung ist. Mir ist die If you're feeling sinister immer noch die liebste Platte von Belle & Sebastian.
Fällt mir das mit den vielen Gastbeiträgen nur besonders auf oder gab es das vorher nicht in dem Ausmaß?
gnathonemus 15.10.2010 | 23:05:58
toller spechtMir ist die If you're feeling sinister immer noch die liebste Platte von Belle & Sebastian.
mir auch, nach wie vor, aber was würden wir denn davon halten, wenn sie jetzt "if you feeling sinister part 7" aufgenommen hätten? welche richtung hätten sie denn deiner meinung nach einschlagen sollen?
gnathonemus 15.10.2010 | 23:08:43
toller specht
o.k., die frage beantworte ich gleich selbst. die elektronische, wie sie auf "boy with the arab strap" angedeutet wurde, wäre sicherlich nicht uninteressant gewesen, aber letztendlich ist das glaub ich, nicht so ganz ihr ding.
RadeBrecht 15.10.2010 | 23:18:04
Danke, Sie können rühren.
Na, mit der Trevor-Horn-Platte wurde es schon ein wenig, wie soll ich sagen, aufgeblasener.
Ich bin ja nicht per se gegen Veränderungen, aber ein wenig ist mir zwischen den vielen Instrumenten und den vielen Melodien das Gefühl abhanden gekommen.
Ach, vermutlich bin ich nur griesgrämig, weil ich das erste Mal keine Lust verspüre, mir die neue Belle & Sebastian Platte zu kaufen...
felt254 17.10.2010 | 21:33:42
Mir geht es ähnlich wie RadeBrecht. Habe mir 12 Jahre wirklich alles von denen gekauft. Ich halte ihr Konzept aber auch für ausformuliert, verspüre irgendwie kein Interesse mehr an den neuen Sachen. Die Kritiken besagen doch auch eher, dass es für B&S-Maßstäbe eher zu ihren mittelklassigen Alben gehört...
An dem wirklich hohen Niveau ihrer Platten gemessen sicherlich trotzdem eine der besten Bands der vergangenen 15 Jahre. Wann kam noch mal "Tigermilk" raus? Mein Gott, sind das echt schon wieder 15 Jahre...
david addison 17.10.2010 | 22:10:58
betterknower.
ihr habt aber vorneweg schonmal "i want the world to stop" gehört? bester b&s song seit jahrtausenden!
Vlad 26.10.2010 | 10:52:51
losing my edge
Ich wollte B&S eigentlich schon in den Bands, die besser mal mit genau diesem Album aufgehört hätten Thread droppen, da für mich mit Storytelling der Totalabsturz kam. Der Abgang von Isobel Campbell und der Move zu Rough Trade kamen da natürlich sehr gelegen um hier einen Schnitt zu machen, aber ich habe wirklich noch brav in Catastrophe Waitress, Life Pursuit und sogar das God Help The Girl ding reingehört, ohne das sich auch nur annähernd die Begeisterung einstellen wollte wie zu Zeiten von Century of Fakers, Fox in the Snow, Get Me Away from Here oder Sleep the Clock Around. Und nun habe ich vorneweg nur Write About Love gehört und kann mich nichtmal dran erinnern.
Immerhin mochte ich den Murdoch Track von Dark Was The Night.
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