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Sufjan Stevens

»The Age Of Adz (Album) & All Delighted People (EP)«

[Asthmatic Kitty / Soulfood / VÖ: 08.10.2010 ]

Text: Felix Scharlau
[12 Kommentare]

Sufjan Stevens haut 115 Minuten neue Musik raus. Zwei Platten, zwei Seiten: Sufjans Orchester-Folk umarmt das Gestern und Morgen.

Emotionen lassen sich nicht mit Zahlen aufwiegen, dennoch sei ein Zahlenspiel erlaubt: Rund 130 Minuten größtenteils neu komponierter Musik veröffentlicht Sufjan Stevens dieser Tage in Form einer (fünf Dollar teuren) 60-Minuten-Digital-EP und eines über 70-Minuten-Albums. Das ist nicht nur erstaunlich viel Musik, sondern dürfte vielen Fans des für seine ausufernden Arrangements bekannten US-Amerikaners wie ein Wunder vorkommen.


2009 deutete Stevens nämlich an, womöglich nie mehr Musik veröffentlichen zu wollen, der abstraktere Score "The BQE" klang plötzlich wie vertonte Scheu. Die beiden Platten sind nun opulente Rückkehr und privatistische Abkehr zugleich: Die EP präsentiert Stevens noch einmal als den Dirigenten eines pathetischen Folk-Orchesters. Potenzielles Highlight: das 17-minütige "Djohariah".

Das "richtige" Album wirkt in Teilen wie eine Verabschiedung des Alten. Experimentell, elektronisch (inklusive Cher-Effekt), großartig, zunächst schwierig. Eine Art Schachtel in der Schachtel, in die ein einziger großer Refrain gesteckt wurde. Sufjan Stevens ist um die nächste Ecke gebogen. Wer geht mit?

In drei Worten: Elektrik / Gigantismus / Songwriter-Ikone

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aus Intro #186 (Oktober 2010)
 
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  • Enrico Mund 05.10.2010 | 11:56:52

    Zitat: "Das „richtige“ Album wirkt in Teilen wie eine Verabschiedung des Alten. Experimentell, elektronisch (inklusive Cher-Effekt), großartig, zunächst schwierig. Eine Art Schachtel in der Schachtel, in die ein einziger großer Refrain gesteckt wurde. Sufjan Stevens ist um die nächste Ecke gebogen. Wer geht mit?"

    Find ich so nicht richtig erläutert. Wer sich mal sein Instrumental-Album "enjoy your rabbit" von 2001 anhört der kriegt schnell mit, dass Sufjan schon immer elektronische Musik gemacht hat. Meiner Meinung nach geht er den konsequenten Schritt und kombiniert seine elektronischen und seine folk/rock Einflüsse. Wo ist der Abschied vom "Alten" ?

    Grüsse
    Enrico

    Editiert von Enrico Mund am 05.10.2010 12:07:17

  • User: Felix Scharlau
  • Felix Scharlau 05.10.2010 | 12:15:04
    Mobilfunk deutlich teurer
    "enjoy your rabbit" klingt für mich aus heutiger sicht eher wie eine elektronische fingerübung, die ziemlich losgelöst wirkt vom rest seiner platten. ziemlich neu ist doch sein selbstbewusstsein, die beiden pfeiler - folk und elektronik - auch mal konsqequent zusammenzudenken und - jenseits eines "konezeptalbums" - zu verarbeiten. "alt" meinte in dem kryptischen satz in der review eher "das, wofür er berühmt wurde" = staatenalben.

  • User: rockotron
  • rockotron 10.10.2010 | 02:44:34
    lackaffe
    ich bin ohnehin nie ein großer sufjan-jünger gewesen. irgendwie langweilen mich zu oft diese übertalentierten überarrangements, die letztendlich die songs imho unnötig aufblähen, auch in ihrer länge. alle platten waren für mich bisher eine "einzelne songs"-veranstaltung. so finde ich mit "too much" auch auf der neuen platte was schönes, kaufen muss ich mir die ganze platte aber nicht.

  • User: victorward
  • victorward 19.10.2010 | 20:51:20

    Juchu, juchu, der Sufjan ist zurück. Der Mann, der mir mitunter Instrumente verkauft hat, die ich eigentlich gar nicht so gerne leider mag. Der Mann, der mich mit seinem "Illinoise" Album wirklich verzaubert hat. Nun vorab die Ankündigung, die Musik sei jetzt elektronischer. Sehr gut, kommt mir ja entgegen. Tja, und jetzt? So anders sind die Klänge wohl doch nicht. Aber: Ich ertrag den Mann plötzlich nicht mehr. Ich erkenne die Qualität dieses neuen Albums - doch, mir ist das auf einmal zu viel: Diese ausladenden Arrangements, diese Ideenvielfalt, diese Theatralik. Würde Mr. Stevens vor mir stehen, ich müsste ihn fesseln, den Mund verbinden und ihn anbrüllen, er solle endlich seine Klappe halten. Eigentlich sollte ich nun testen, was mit mir passiert, wenn ich "Illinoise" oder "Sevens Swans" hören würde, aber ich will diese Werke im Moment nicht der Gefahr aussetzen, dass ich sie plötzlich nicht mehr mögen könnte. Somit bleibt mir für den Augenblick nur ein Gefühl: Eine mordsmäßig große Irritation! Möge sich diese temporäre (?) Abneigung bitte wieder legen.

  • BadBrain 24.10.2010 | 16:13:21
    zack! regierung gestürzt.
    ich wünschte, es gäbe eine remixplatte, die die songs vom elektronikfirlefanz befreit. die songs selbst sind sehr gut. des herrn stevens gespür für tolle melodien ist wirklich nicht verloren gegangen. leider steht ihm der computer im weg und kapituliert vor den möglichkeiten (wie so oft, wenn großer songschreiber moderne computertechnik entdecken).

    die platte wird immer dann stark, wenn beattechnische gelärme in den hintergrund tritt.

  • User: CrazyBird
  • CrazyBird 24.10.2010 | 16:56:00
    War nicht so gemeint.
    Wenn ich victorwards Eintrag lese, bekomme ich richtig Lust drauf, das Album nochmal zu hören.

    @BadBrain: Ja, was denn jetzt? Die einen sagen, die Elektronik würde nur verschleiern, dass die Songs eigentlich nicht so gut sind, Du hast jetzt eher einen umgekehrten Eindruck. Ich finde das Album ja so oder so gut. Und zu den Songs: Er könnte noch ein besserer Songwriter werden, wenn er nicht so sehr zur Wiederholung neigen würde. Das trübte ja auch schon etwas das Hörvergnügen bei "Illinoise" (das natürlich trotzdem ein fantastisches Album ist.)

  • Susi Wittig 29.10.2010 | 06:16:09

    wunderbares album. anfangs doch ganz schön anders und viel und ungewöhlich, der alte sufjan war nicht mehr ganz so da dachte ich. und hab auch nicht so oft reingehört wie ich wollte.
    als ich ihn dann aber live sah hat sich alles geändert. die meisten lieder des konzerts waren von der neuen platte. und einfach wunderbar gemacht. ein tanzender, witziger sufjan zwischen gitarre und klavier und instrumenten, die nur elektronische geräusche machen. und dann manchmal zwischendurch stille und "chicago" mit einem wandernden cartoon-van auf der leinwand. wirklich, das hat verzaubert und unglaublich überzeugt. die erklärung, wieso er sachen schreibt und zu hören, wie es dann wirklich live und laut klingt. sufjans flüstern und manchmal auch das fast überrennende zusammenspiel aller musiker beim großen finale von impossible soul.
    trotzdem, zweifler, hört nochmal rein, schaut euch den sufjan nochmal an, der verzaubert.

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