Arcade Fire
»The Suburbs«
[City Slang / Universal / VÖ: 30.07.2010 ]
Text:
Christian Steinbrink
[115 Kommentare]
Arcade Fire vertonen das Thema Heimkehr in bekannter Manier, Hit-Appeal ordnet sich dem Konzept unter.
Diese Regel hält unumstößlich: Es sind die einfachen Themen, die Popmusik groß und tragend machen. Nachvollziehbare, universell geltende Empfindungen, die jeder kennt, der sich emotional in Popsongs vergräbt. Bands müssen sie suchen und finden, um den Leitfaden für Alben und die Anschlussfähigkeit ihrer Anhänger zu erfahren. Win Butler hat seines für das in jeder Hinsicht verhängnisvolle dritte Arcade Fire-Album gefunden. Ein von einem Freund eingeschicktes Foto aus dem alten Wohnviertel in Houston brachte ihn darauf: Es geht hier um Heimkehr.
Wer irgendwann einmal ausgezogen ist und ein mulmiges Gefühl von Nostalgie kennt, das entsteht, wenn das alte Sparkassengebäude, die Post oder der Bäcker aus der Teenager-Zeit in Sicht kommt, wird die Empfindungen im Herz haben, die Butler in den Texten auf "The Suburbs" ausdrückt. Und ihm dadurch ganz automatisch eine andere Tragweite attestieren und Aufmerksamkeit schenken. Diese Herzblutspur bietet der Band auf einer anderen Seite großzügig musikalische Freiheit, eine Freiheit, die Arcade Fire dafür nutzen, um ihrer Musik ein gutes Stück ihrer Dringlichkeit zu nehmen. In der Vergangenheit gewannen die Songs der Band immer auch durch ein hohes Maß an Enthusiasmus, eine Energie, die sich auf Tonträger anbahnte und die live eine Entsprechung fand. Auf "The Suburbs" gehen Arcade Fire vom Gas, sie versuchen sich in einer neuen Subtilität ihrer Arrangements.
Das führt auf der einen Seite sicher zu einer noch längeren Halbwertszeit von einer ganzen Reihe doch recht hübscher neuer Songs, es raubt dem mit 16 Stücken üppig ausgestatteten Album auf der anderen aber auch einen Gutteil seiner klanglichen Dramaturgie. "The Suburbs" kommt weitgehend ohne offenbare Höhepunkte aus, es ist ein Album, das die Melancholie des Heimkommens in den Mittelpunkt und das Songwriting in den Dienst dessen stellt. In diesem Sinne rennt die Band sehenden Auges in die Fehlerstellung, die Rockfans seit Dekaden an Konzeptalben bemängeln. Das Album überzeugt aber dennoch, und zwar durch wunderbare Kniffe wie die verschiedenen Covermotive, die vor dem Heck eines Wagens den Blick auf verhängnisvolle Orte der Adoleszenz lenken, oder durch seine Texte, die sich oftmals wie Tagebucheinträge des jungen Werther Win Butler lesen. "Sometimes I can't believe it/ I'm moving past the feeling" heißt es sehr exponiert im Titelstück. Beachtet man solche Feinheiten nicht, könnte "The Suburbs", das Album, etwas zu beiläufig wirken. Das täuscht aber, denn dieses Album brennt.
In drei Worten: Haus deiner Eltern / Jugendzimmer / Kanada-Indie
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Termine Arcade Fire
31.08.2010 Berlin, Tempodrom » Details | Merken | Anreise
28.11.2010 München, Zenith » Details | Merken | Anreise
29.11.2010 Düsseldorf, Mitsubishi Electric Halle » Details | Merken | Anreise
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Intro 30.07.2010 | 10:19:00
Arcade Fire vertonen das Thema Heimkehr in bekannter Manier, Hit-Appeal ordnet sich dem Konzept unter.
drivenstate 01.08.2010 | 19:21:08
ich bin hier falsch
ich bin noch nie so recht auf den AF hype angesprungen, aber in den letzten wochen sind mir einige ältere songs von denen auf andere weise begegnet als früher, und ich fand sie ziemlich toll.
der song "the suburbs" wächst und wächst in meinem ohr, ich mag ihn nach ca 8 durchläufen heute immer mehr und freu mich auf den rest des albums.
drivenstate 01.08.2010 | 19:22:48
ich bin hier falsch
ach ja: klang der win butler schon immer so ähnlich wie der shout out louds sänger? ich hatte diese assoziation noch nie, außer auf dem neuen album..
LucTonnerre 02.08.2010 | 10:03:33
Die Platte wächst und wächst und wächst... fast schon unheimlich.
Die Kritiker überschlagen sich auch geradezu.
Platte des Jahres? No doubt!
drivenstate 02.08.2010 | 10:06:35
ich bin hier falschPlatte des Jahres? No doubt!
So gleich!? Es gibt immerhin starke Konkurrenz - 2010 ist bisher ein Utopia an super Alben!
ösel 02.08.2010 | 10:55:50
Polterkowski & Söhne
Ja also, wenn die Kritiker sich überschlagen, dann sofort her damit!
Reverend 02.08.2010 | 18:56:51
war immer aufrichtig
Das ist eine ganz wundervolle Platte. Und ich war bisher nicht mal Fan.
rockotron 02.08.2010 | 21:16:50
lackaffe
ich scheine die kriterien für die lobhudelei dieser band gegenüber nicht zu verstehen oder lege selbst die falschen an, denn für mich ist "neon bible", das ja vielerorts sogar als fehlgriff betitelt worden ist, ein absolutes überalbum, wohingegen ich "funeral" nie als das album für die ewigkeit empfunden habe. und so ist "the suburbs" für mich auch nicht eine "rückkehr zu alter stärke", sondern eher als solides album einer band, die sich insgesamt sicherlich gegenüber den meisten bands ähnlicher spielart positiv hervortut. mir aber haben der pomp und bombast des vorgängers besser gefallen. das/die cover von "the suburbs" finde ich aber geradezu sensationell.
Kjell 02.08.2010 | 21:35:58
my favourite bit of criticism
Uneingeschränkte Zustimmung mit rockotron. Das neue Album will bei mir einfach nicht wachsen. Und ich versuche es. Klingt mir zu satt, zu zufrieden und irgendwie langweilig. Ich hoffe sehr, dass sich das noch ändert, wobei ich zugegebenermaßen nicht weiß ob meine ablehnende Haltung aus der (momentanen) Enttäuschung resultiert oder mir diese geballte Lobhudelei von allen Seiten einfach nur tierisch auf den Sack geht. Das hat nichts mit Begriffen wie indie-credibility zu tun sondern damit, dass eine Vielzahl anderer Menschen in diesem Album etwas hört/empfindet was ich nicht höre oder noch nicht höre. Das kann einen schon fuchsig machen.
psychonaut 02.08.2010 | 21:45:44
Ich habe "The Suburbs" in den letzten 3 Tagen bereits häufiger gehört, als "Neon Bible" in 3 Jahren. Insgesamt eine sehr runde Sache, die einen nicht dauernd mit dramatischen Effekten zu erschlagen versucht. Zum puren Glück, hätten 2 der Songs noch in Richtung Hit getrieben dürfen.
LucTonnerre 02.08.2010 | 21:47:35
Also, ich wurde andererseits nie richtig warm mit Neon Bible. Funeral war für mich schon total perfekt. Bei NB waren mir persönlich zu viele Songs drauf, die etwas daher plätscherten.
Aber im Grunde sind alle 3 Alben toll. Und sowas will man als Band erstmal schaffen. Kann mich an keine Band der letzten 10 Jahre erinnern, die so konstant auf so hohem Niveau gearbeitet hat.
Die Diskussion ist eröffnet ;)
rockotron 02.08.2010 | 22:10:15
lackaffe
mir fielen ein
modest mouse:
2000 - the moon and antarctica
2004 - good news for people who love bad news
2007 - we were dead before the ship even sank
gnathonemus 02.08.2010 | 22:24:24
toller specht
phoenix
mogwai
spoon
broken social scene
(plattentitel such ich jetzt nicht zusammen)
usw. usf. so ungewöhnlich ist das nicht
LucTonnerre 02.08.2010 | 22:59:49
Phoenix unterschreib ich sofort.
Mit Broken Social Scene komm ich komischerweise überhaupt nicht klar. Finde da einfach keinen Zugang.
Will mir jemand das neue Album auf Vinyl abkaufen? Ungespielt, nur der Downloadcode wurde eingelöst - zum Reinhören.
morus 02.08.2010 | 23:13:30
Einige sehr tolle Songs. Aber insgesamt ein bisschen lang.
plastiCsofA 02.08.2010 | 23:29:02
Für mich bis dato eines der besten Alben dieses Jahres. Hatte die ersten zwei zuvor veröffentlichten Songs gehört, die ich aber bis dahin nur ok fand. Im Albumkontex erschließen sie sich aber sehr schön. :-) Ansonsten kann ich bisher mit alle drei Alben etwas anfangen. "The Suburbs" ist sicherlich bis dato das zugänglichste und eingängigste Werk der Band. Kann mir vorstellen, dass viele dies als Nachteil empfinden.
Schade nur, dass ich keine Karte für Berlin habe. :-(
ösel 02.08.2010 | 23:33:40
Polterkowski & Söhne
Definitiv das beste Springsteen-Album aller Zeiten!
rockotron 02.08.2010 | 23:35:15
lackaffe
nee, die springsteen-isms sind deutlich eingedampft worden. kein weiteres "keep your car running". (leider.)
ösel 02.08.2010 | 23:49:51
Polterkowski & Söhne
Na komm, bei "Suburban War" oder "We Used To Wait" kann man das verschwitzte rote Karohemd ja förmlich sehen/hören/riechen...
Editiert von
ösel am 03.08.2010 00:12:25
nanker 03.08.2010 | 01:27:41
es hat mich sehr überrascht, nachdem ich mich irgendwie nie mit neon bible beschäftigen wollte, dass mir the suburbs so gut gefällt
angehn entspannte grundstimmung und doch verdammt vielfältig.
Editiert von
nanker am 03.08.2010 01:28:17
LucTonnerre 03.08.2010 | 09:40:00
Wie wird denn "Sprawl II (Mountains beyond mountains)" hier so aufgenommen? Ist ja definitiv der Song, der am meisten rausragt. Nicht nur wegen Regines Stimme, auch weil der halt so 80ies-Disco-mäßig daherkommt.
Für mich fast schon das Highlight der Platte.
BlondeOnBlonde 03.08.2010 | 10:44:51
Richtig große Platte. Highlights hab ich bis jetzt noch nicht ausmachen können, alles sehr stimmig auf sehr hohem Niveau.
Yannick 03.08.2010 | 13:24:18
Eine echt gelungene Platte.
plastiCsofA 03.08.2010 | 14:36:51
Was the "The Sprawl II" anbelangt, hätte ich nicht gedacht, dass Arcade Fire so elektronisch klingen können. Fügt sich aber sehr schön ins Album ein ohne belanglos zu wirken. Komme davon auch nicht mehr los.
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