Teenagers In Tokyo
»Sacrifice«
[Backyard / ADA / VÖ: 16.07.2010 ]
Text:
Martin Büsser
Ein weiteres Retro-Wave-Debüt, das „Joy Division“ sagt, aber schnarchigen Indie-Pop meint.
Ist es ein positives Zeichen, wenn nach dem Durchhören nichts hängen bleibt? Rein gar nichts, nur das Gefühl, gerade rein interesselos Musik gehört zu haben? Man könnte es vollendeten Pop nennen: Musik ohne Reibeflächen, ohne Profil. Nachdem nun allerdings seit mehr als zehn Jahren schon dieselben Wegmarken der Popgeschichte geplündert und neu aufgegossen werden, ist es eher dreist, wenn 2010 noch ein Debüt damit beworben wird, an Siouxsie & The Banshees und Joy Division anzuknüpfen.
Das ist in etwa so originell wie Eistee mit Pfirsichgeschmack. Und obwohl es sich um eine Beinahe-All-Female-Band handelt, die bereits als Support von Gossip auftrat, will hier so gar nichts funken: weder ein Grrrl-Spirit noch der beschworene Wave-Spirit, der sich auf uninspiriertes Keyboard-Gewaber beschränkt. Wave ist hier wie so oft in den letzten Jahren zum Synonym für ideenlosen Pop geworden und Indie zum Synonym für seichtes Gitarrengeschrubbe. Wenn Pop, wie seine Gegner meinten, mal falsches Glücksversprechen war, dann haben wir es hier mit einer Musik zu tun, die nicht einmal mehr etwas versprechen will.
In drei Worten: Interesselos / Pfirsich-Eistee / Retro-Wave
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