Laurie Anderson
»Homeland«
[Nonesuch / Warner / VÖ: 02.07.2010 ]
Text:
Martin Büsser
Es wird Zeit, eine wegweisende Musikerin und Gesellschaftskritikerin zu würdigen. Diese scharfzüngige Platte gibt allen Anlass dazu.
Beim begeisterten Hören dieser Platte fällt es schwer, zu begreifen, warum Laurie Anderson in der deutschen Musikpresse nie eine Rolle gespielt hat. Sie kam und kommt dort einfach nicht vor. Und dies, obwohl ihre Mischung aus visueller Kunst (Stichwort: eine der ersten Videoclip-KünstlerInnen ever), Minimal Music und Electro-Wave, gepaart mit politischen und feministischen Texten, in jeder Hinsicht wegweisend war.
Faszinierend ist zudem, dass Anderson weiterhin konsequent den Weg beschreitet, durch den sie seit „O Superman“ bekannt wurde, ohne sich in den Achtzigern zu verheddern. Noch immer sind ihre Texte ein kritischer Kommentar zur amerikanischen – man könnte auch sagen: westlichen – Gesellschaft, „Only An Expert“ beispielsweise dürfte der erste wirklich scharfsinnige Song zur Wirtschaftskrise und dem Bankencrash sein. Noch immer trägt Anderson all das in unaufgeregtem Sprechgesang vor, minimal elektronisch begleitet, aber stets so atmosphärisch, dass man vor lauter Wohlklang fast vergisst, den Texten zu folgen. Auf dem Cover hat sich Anderson selbst als „Expert“ abbilden lassen, mit Krawatte und Schnauzbart. Die beste Gender-Demontage seit Peaches.
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