Norman Palm
»Shore To Shore«
[City Slang / Universal / VÖ: 02.07.2010 ]
Text:
Holger Wendt
Reißt die Trauer aus den Büchern – Befindlichkeitsfixiertheit und Kitsch gehören nicht zwangsläufig zusammen. Norman Palm tritt den Beweis an.
„Reißt die Trauer aus den Büchern“ – Singer/Songwriter nerven zumeist dann, wenn sich ihre Musik wie ein ausgewalzter, klampfiger Trauergesang anhört, in dem das Thema „Liebe kaputt“ mit Kleenex gut sichtbar an die Wand gekleistert wird. Im Jargon nennt man das „befindlichkeitsfixiert“. Eine Eigenschaft, die problematisch wird, wenn die Trauer auf einem Bett aus Kitsch durch die Gehörgänge gleitet. Norman Palm stellt sich auf „Shore To Shore“ schon besser an. Nähe-Ferne, Vertrautes-Fremdes – für Palm präsentiert sich die alte Liebelei in Gegensätzen, die sich ganz unverkrampft in den Alltag weben und ihn bei Laune halten.
Weinerlich ist anders, schlechter. Sicherlich wird auch die Klampfe ausgepackt, aber im Grunde genommen agiert sie mehr als Textur, welche zwischen Rhodes-Klängen („Start/Stop“) und filigranen Loops („$ 20“) gut aufgehoben ist. „Shore To Shore“ wirkt daher auch gerade durch seine entspannte, unkonventionelle Art – musikalisch wie textlich. Möge ihm eine hohe Halbwertszeit beschieden sein.
In drei Worten: Nah / Fern / Emo
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