Daniel Higgs
»Say God«
[Thrill Jockey / Rough Trade / VÖ: 21.05.2010 ]
Text:
Martin Büsser
Archaisch reduzierter Christen-Folk, bei dem sogar Atheisten wohlige Schauder empfinden können.
Es ist schon seltsam: Noch vor zehn Jahren galt religiöse und insbesondere christliche Popmusik als Kuriosum. Über White Metal wurde milde gelächelt, und in Fanzines erntete man die größten Brüller damit, Singles von missionarischen Liedermachern vorzustellen, in denen es um die Schande der Abtreibung oder Jesus' segnende Hand am Arbeitsplatz ging. Inzwischen sind sakrale Bekenntnisse jedoch in der ganz normalen Indie-Welt angekommen und fristen längst kein Nischendasein mehr: Von Sufjan Stevens bis zur Danielson Famile darf munter gepredigt werden - keinen schert es, niemand stört sich mehr daran.
Die (Dornen-) Krone dieser Entwicklung setzt jetzt Daniel Higgs auf: Auf gleich zwei CDs spricht, singt und brummt er Gebete von bis zu 18 Minuten Länge, meist nur schlicht mit Banjo oder Harmonium begleitet. Doch man kommt nicht umhin, zu gestehen, dass die Nummern durch Mark und Bein gehen. Wer ein Faible für archaischen Folk und Blues in der Tradition eines Dock Boggs hat, wird hier automatisch wohlige Schauder verspüren. Die musikalische Intensität dieser Mantras ist atemberaubend, das Thema hingegen bleibt ... na ja, Glaubenssache.
In drei Worten: Dornenkrone / Erschaudern / Christen-Folk
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