Anais Mitchell
»Hadestown - A Folk Opera«
[Righteous Babe / Warner / VÖ: 30.04.2010 ]
Text:
Martin Büsser
Griechische Mythologie als Folk-Oper, das ist so sexy und glamourös wie das große Latinum.
Die Besetzung ist hochkarätig, das Projekt extrem ambitioniert - und genau damit tendiert es zu jenem Krampf, der befürchten lässt, dass diese CD bald in den Lehrplänen für Schulen auftauchen wird. Prädikat: besonders wertvoll. Anais Mitchell hat den griechischen Orpheus-Mythos als "Folk-Oper" vertont. Sie selbst spielt bzw. singt Eurydike, Ani DiFranco ist als Persephone und Justin Vernon (Bon Iver) als Orpheus zu hören. Ein solcher Crossover aus Pop und klassisch-humanistischem Bildungsgut muss nicht notwendig an einem lehrerhaften Unterton scheitern.
Doch in diesem Fall ist auch die Musik - von der gesanglichen Darbietung ganz zu schweigen - so gebildet, manierlich und von ihrer eigenen Reife berauscht, dass einfach kein Sex-Appeal aufkommen will. Versatzstücke aus Dixieland, Musical, Nick-Cave-Blues, Tom-Waits-Gemurmel, Vaudeville und Chanson werden durchweg so unrettbar potenziert, dass man diesen Kultur-Transfer eigentlich nicht mal einem Theaterabonnenten-Publikum zumuten möchte.
In drei Worten: Hochkarätig / Bildungs-Allstar / Folk-Oper
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