Jeremy Jay
»Splash«
Text:
Martin Büsser
Rock'n'Roll mit hohem Wimp-Faktor. Jonathan Richman würde es gefallen.
Er wirkt wie aus der Zeit gefallen. Mit seinem mal leicht beschwingten, mal melancholischen Pop'n'Roll erinnert der große schlaksige Wahl-Kalifornier an Einzelgänger wie Alex Chilton und Jonathan Richman. In den Stücken schwingt stets eine Spur Naivität mit, jenes beiläufige Tralala, das Adam Green einmal zu perfektionieren versuchte, sich dann aber in selbstverliebtem Crooning verhedderte. Solche Überschätzung ist Jeremy Jay fremd, denn seine Stimme ist so schlapp wie das Schlagzeugspiel - und selbst die Klaviertasten werden hier so vorsichtig angespielt, als könnte sich der Pianist einen Stromschlag holen.
Die neun nur folgerichtig auf K-Records veröffentlichten Nummern huldigen dem alten Wimp-Prinzip einer möglichst unmännlichen Herangehensweise an Rock'n'Roll so gekonnt, dass man den armen Kerl in die Arme nehmen und ihm Mut zusprechen möchte - du musst dich nicht verstecken, denn das, was du machst, hat Größe. Doch das sagt man dann doch nicht, denn gerade die alles durchdringende Schüchternheit und Zurückhaltung macht die Nummern ja so verdammt attraktiv. Und dies sollte man ihm besser nicht ausreden.
In drei Worten: Naiv / Schüchtern / Wimp-Rock
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