Television Personalities
»A Memory Is Better Than Nothing«
[Rocket Girl / Rough Trade / VÖ: 04.06.2010 ]
Text:
Wolfgang Frömberg
[5 Kommentare]
Britannien, besetzt vom Scheiß-Geschmack. Nur die TVPs leisten seit 30 Jahren Widerstand. Mal an der Flasche, mal mit Gitarre. Immer ohne Budget, aber richtig!
Daniel Treacy ist einsam - trotz seiner vielen Hardcore-Fans seit "Part Time Punks". Den Anhängern tritt das sensible Genie zwischen Psychedelic und Psychose, dessen Band größer als die Beatles hätte werden können, ebenso schonungslos entgegen wie sich selbst. Bei einem Konzert in Köln erfuhr ich es am eigenen Leib: Ich war gerade so wie der Rest der ersten Reihe dabei, den Text von "Silly Girl" zu grölen, damit man das wie von Sinnen dargebotene Stück überhaupt erkannte, da fauchte er mich wegen meiner Krawatte an.
Aber wie könnte ich auf jemanden wütend sein, der sich als Zugabe vor lauter Suff die Hose nass macht? Kaum zu erwarten, dass Daniel Treacy - nach 30 Jahren der Trunksucht und des Absturzes - auch heute noch alle britischen Songwriter nass machen würde. Aber haltet doch mal "A Memory Is Better Than Nothing" den geschniegelten Britpop-Hypes der letzten Jahre als Spiegel vors Gesicht! Die müssten sich eigentlich aus Angst vor diesem nicht kaputt zu kriegenden Melan-Alkoholiker ins Hemd machen.
In drei Worten: Hardcore-Fans / Britpop-Hemden / Melan-Alkoholie
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siki 08.06.2010 | 09:48:14
hallo frömberg,
gab es grund zum feiern oder weswegen die Krawatte ?
Stan Gim 16.06.2010 | 13:36:04
jedes lebenszeichen von dan treacy ist immer wieder erst einmal ein grund zu feiern. die krawatte war bestimmt ein tribut an pop-art und mod-culture, so wie die TVP's sie in den 80ern interpretiert haben.
bei konzerten der 4.0-version der TVP's stehen die chancen auf eine gelungene performance 50/50. die chance von dan himself angepöbelt zu werden ist höher, erst recht wenn man vorne steht.
aber herr frömberg hat recht, einem solchen songwriter kann man (fast) alles verzeihen. auch der mit zeitverzögerung einsetzende kontrollverlust nach dem konsum einer 3/4 flasche vodka in den 7 minuten vor der show.
nachdem ich "a memory is better than nothing" nun schon seit monaten höre, kann ich mit bestimmtheit sagen, dass es eines der besten alben in der band-diskographie ist. und das nach über 30 jahren leiden für die kunst. respekt allein dafür.
cheers,
s
Wolfgang Frömberg 16.06.2010 | 13:41:18
Und so war bzw. ist es!
siki 20.06.2010 | 21:21:35
Dann werde ich mal in Zukunft auch genauer hin hören um (fast)alles zu verzeihen
Christian76 19.07.2010 | 20:09:18
Vollste Zustimmung. Wunderbares Album, vielleicht Dans bestes Album seit 20 Jahren.
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