Murmansk
»Eleven Eyes To Shade«
[Ranch Spinefarm / Soulfood / VÖ: 30.04.2010 ]
Text:
Till Stoppenhagen
So schön können Wände aus Gitarrenlärm sein: Shoegazer-Sound für extrem Zornige.
Noch mehr Gitarren, noch mehr Zerre, noch mehr Hall: „Eleven Eyes To Shade“ von Murmansk ist ein beeindruckendes Dokument davon, wie verführerisch schön Wände aus übersteuertem Lärm sein können. Die vier Finnen aus Helsinki lassen introvertierte Songs zu Noise-Ozeanen zerfließen, versenken sich in feinmotorische Riffarbeit, um danach alles in bis zur Unkenntlichkeit zerdroschene Gitarrenwalzen oder verstörende Ambient-Soundscapes aufzulösen. Und über allem schwebt körperlos die Stimme von Sängerin Laura, mal schön, mal kratzig, mal im Schreien überkippend, immer näher an Kim Gordon als an Bilinda Butcher.
Das Ergebnis darf man trotz aller Aggressivität aber eher in die Shoegazer- als in die Sonic-Youth-Schublade einsortieren. Doch damit allein geben sich Murmansk nicht zufrieden: Mal hört man die Schwulstgitarren der „Disintegration“-Cure heraus, mal gibt’s Ausflüge in arabeske Harmonien. Empfehlenswert, wenn einem My Bloody Valentine nicht laut genug und Sonic Youth zu anstrengend sind.
In drei Worten: Zorn / Walzen / Shoegazer
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