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Mike Patton

»Mondo Cane«

[Ipecac / Soulfood / VÖ: 07.05.2010 ]

Text: Michael Weiland

Manchmal darf man dankbar sein. Zum Beispiel, dass man in jenem unwahrscheinlichen Paralleluniversum aufgewachsen ist, in dem Mike Patton ein Italopop-Album aufgenommen hat – und nicht in dem, das mit einer Crossover-Platte von Bizarro-Al-Bano bedient ist.

Manchmal darf man dankbar sein. Zum Beispiel, dass man in jenem unwahrscheinlichen Paralleluniversum aufgewachsen ist, in dem Mike Patton ein Italopop-Album aufgenommen hat – und nicht in dem, das mit einer Crossover-Platte von Bizarro-Al-Bano bedient ist. "Mondo Cane" hat Ironie, ist aber kein Witz: Aus einer Beschäftigung mit dem italienischen Oldie-Rundfunk vor einigen Jahren rührt Pattons Liebe zu den Liedern seiner damaligen Wahlheimat.


Stücke von Ennio Morricone und Fred Buscaglione kriegen den Respekt, der ihnen zusteht – und würde man das irgendwie in Größenordnungen bemessen wollen, dann ist ein vierzigköpfiges Orchester abzuzählen schon einmal ein guter Anfang. Bei aller Lust an abgründigem Quatsch, die man Mike Patton so gerne zugestünde, ist "Mondo Cane" so unavantgardistisch wie kaum etwas, das er seit dem Ende von Faith No More auf Band sang, grunzte oder schrie. Einzig in "Urlo Negro", einem Song der weitgehend vergessenen Beatkapelle The Blackmen, ist Gegenkultur zu spüren: Nach ein paar Zeilen Hardcore-Gebell geht es allerdings wieder in einen breit grinsenden Tanzmusik-Refrain.



Patton weiß um das irritierende Moment, das eine konsequent durchgezogene Ehrerbietung an altbackene Populärmusik, zudem von seiner Person, haben muss, und macht es dem Hörer so einfach wie möglich: Natürlich ist das Ganze unfassbar cheesy, aber auch ebenso catchy, was als ultimative Stärke ausgespielt wird. Ein Schuft, der bei den tanzenden Trompeten und leichtfüßig in die Songs rutschenden Streichern sein Herz nicht hüpfen hört. Dazu singt einer der versiertesten Vokalisten zeitgenössischer Rockmusik in schönstem Belcanto oder raunt wie Celentano. Man mag genau diesen Mangel an Subversion verstörend finden. Unerwartet und neu und schön ist es doch und demnach letztlich nichts für die Rotation in der Pizzabäckerei. Laut Sturgeons Gesetz – benannt nach dem Science-Fiction-Autor Theodore Sturgeon – ist 90 Prozent von allem scheiße. Was im Umkehrschluss heißt, dass zehn Prozent doch mindestens ziemlich okay, vielleicht gar brillant sind. Man braucht nur jemanden, der sie findet.

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  • User: Intro
  • Intro 15.04.2010 | 15:40:00

    Manchmal darf man dankbar sein. Zum Beispiel, dass man in jenem unwahrscheinlichen Paralleluniversum aufgewachsen ist, in dem Mike Patton ein Italopop-Album aufgenommen hat – und nicht in dem, das mit einer Crossover-Platte von Bizarro-Al-Bano bedient ist.

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