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Der Englische Garten

»Der Englische Garten«

[Firestation / Al!ve / VÖ: 05.02.2010 ]

Text: Tim Jürgens

Ganz andere Töne aus dem Erblass der Münchner Merricks. Monaco-Franze-Soul mit großem Herz und großer Kraft.

München. Disneyland im Alpenvorland. Reiche Leute spielen einkaufen, proben beim Espresso in der Februarsonne unter freiem Himmel das Abenteuer Leben. Ein einziger Zwiespalt aus Steinen und Menschen. Und doch: München ist in diesem oft so tristen Land ein besserer Ort. Bernd Hartwich aus dem Glockenbachviertel hat sich zur Aufgabe gemacht, das Münchner Lebensgefühl zum Klingen zu bringen. Als Kopf der Merricks rettete er den beschwingten Geist von „Monaco Franze“ und „Zur Sache, Schätzchen“ – die dem positiven Hedonismus in der bayerischen Landeshauptstadt ein Denkmal setzten – über die Jahrtausendwende. Mit Axel Koch traf er 2004 einen Bruder im Geiste, und sie fanden für sich den wohl besten aller Namen. Nun sind Der Englische Garten zu einem Kollektiv aus acht Leuten angewachsen, für das Koch Lieder schreibt, die mit jeder Note das Versprechen einlösen, das diesem Begriff innewohnt.


Die Musik perlt wie kühles Augustiner im August beim Aumeister, ohne dabei nur im Ansatz ins Profane abzugleiten. Der Englische Garten sind viel zu gut, um mit textlichen Verschlüsselungstaktiken Bedeutung vorzutäuschen. Koch hat etwas zu sagen und tut es: „Heizdecke am Strand“ ironisiert mit feiner Klinge die gespielte Leichtigkeit der Münchner: „Wir liegen mit der Heizdecke am Strand, zentimeterhoch der Schnee auf dem Sand, und ein Glas Wein in jeder Hand, die Sonne scheint immer im Abendland.“ Die Hooligan-Hymne „Junge Leute“ karikiert auf gespenstische Weise das lässige Dexys-Feeling – und angesichts der Totschläger von Solln wird dem Hörer fast mulmig. „Dein Taschenmesser“ adaptiert mit Kaffeehauscharme Bommi Baumanns Biografie über seinen Weg in den Untergrund. Das ist der wahre Sound von München, keine andere Stadt lässt Schwermut fröhlicher klingen. „Zwei Minuten fünfundvierzig und die Welt ist nicht mehr hässlich. Zwei Minuten fünfundvierzig. Auf den ganzen Rest verzicht ich.“ Den tieferen Sinn gibt’s ohnehin frei Haus dazu. Vielen Dank, meine Herren!

In drei Worten: Lässig / Post-Merricks / Soul

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