Eagle Seagull
»The Year Of The How-To-Book«
[Pias / Rough Trade / VÖ: 26.03.2010 ]
Text:
Wolfgang Frömberg
Sexy Aristocats formulieren Pop aus. Nichts für trockene Brote und die Feinde von Pose und Manierismus. Für den Rest bleibt dagegen: Ekstase!
„You’re The Reason Why I’m Afraid To Die“ oder „The Boy With A Serpent In His Heart“ – klingt nach Songtiteln von Morrissey. Dabei ist Ersteres das Eröffnungsstück von Eagle Seagulls „The Year Of The How-To-Book“. Und nach dem Kitsch verheißenden Intro kippt das Teil in eine übergeschnappte Nummer, die so auch von Pulp Mitte der Neunziger ins Scheinwerferlicht von „Top Of The Pops“ hätte geschoben werden können.
Die Band aus der Nachbarschaft von Bright Eyes bastelt auf ihrem zweiten Album nach dem seit geraumer Zeit im Handel befindlichen Baukasten-Prinzip aus der Pop-Soap-Opera „Hör mal, wer da glamourt!“ pophistorische Hymngetüme, die Prog-Rock-, Punk-, Minimal-Techno- oder Freak-Folk-Fanatiker das Fürchten lehren. Aber vielleicht täusche ich mich auch, und dies Werk erweist sich in seiner aristokratischen Abgehobenheit und handwerklichen Erdverbundenheit als über alle Grenzen hinweg konsensfähig. Nur wer sich vor Manierismen fürchtet wie die Welt vor der Wahrheit, sollte vielleicht einen Bogen um „The Year Of The How-To-Book“ machen. Trocken-Brot-Fanatiker dürften es als persönliche Beleidigung empfinden. Eagle Seagulls Referenzsystem schließt auch die 80er ein – hier wird selbstverständlich auf einem hohen Reflexionsniveau auf E-Basstuben gedrückt und mit Synthies und Geigen gebuttert, das die Aussicht vom Dach eines popmusikalischen Turms zu Babel freigibt. Deshalb klingt etwa „You Can’t Call Yourself A Secret“ nach der unwahrscheinlichen Möglichkeit, Alphaville könnten im 21. Jahrhundert noch mal einen Hit gelandet haben – weil Eagle Seagull sich sowohl treu geblieben sind als auch den modernen Zeiten ihren Tribut zollen. Schon klar: Die Referenzwüste erzeugt ihre Fata Morganen unter einem Fixstern. So wie David Byrne automatisch in die erste Reihe eines Arcade-Fire-Konzerts zu gehören scheint, sollten Eagle Seagull immer ein Plätzchen für David Bowie frei halten. Wasser!
In drei Worten: Pop-Opera / Soap-Opera / Glamour!
Termine Eagle Seagull
13.04.2010 Berlin, Comet-Club » Details | Merken | Anreise
14.04.2010 Hamburg, Knust » Details | Merken | Anreise
15.04.2010 Köln, Gebäude 9 » Details | Merken | Anreise
16.04.2010 Osnabrück, Glanz & Gloria » Details | Merken | Anreise
17.04.2010 Dresden, Beatpol » Details | Merken | Anreise
18.04.2010 München, Kranhalle » Details | Merken | Anreise
19.04.2010 Stuttgart, Schocken » Details | Merken | Anreise
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EAGLE SEAGULL - Twenty Thousand Light Years
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