Shout Out Louds
»Work«
[Vertigo / Universal / VÖ: 26.02.2010 ]
Text:
Dominik Schmidt,
Michael Weiland
Darf man das als Musikliebhaber überhaupt gut finden, wenn ein Künstler das Ergebnis seines Schaffens ganz unromantisch als "Arbeit" bezeichnet?
Mittlerweile fünf Jahre ist es her, dass wir in der Indie-Disco unseres Vertrauens in den Ruf der Shout Out Louds nach Liebe mit einstimmten und "Please, Please, Please" ausriefen ... und uns des Lebens freuten, hatten wir doch gerade eine neue ungestüme Lieblingsband gefunden. Bis dahin noch alles gut. Es folgte "Our Ill Wills" - ein Album, das zeigte, dass die Band in der Lage war, ein komplettes Werk mit eingängigen Songs zu schnüren, auch wenn es persönlicher und ruhiger ausfiel und damit abseits der Disco-Wände stattfand. Nun also Album Nummer drei - "Work".
Darf man das als Musikliebhaber überhaupt gut finden, wenn ein Künstler das Ergebnis seines Schaffens ganz unromantisch als "Arbeit" bezeichnet? Darüber kann man streiten - genauso darüber, ob darin begründet ist, dass der Band ihre Leichtigkeit abhandengekommen ist. Das heißt nicht, dass das Album an sich anstrengend ist, doch der Funke will bei den Songs einfach nicht überspringen. Kurz flackert die Erinnerung daran, was man an den vorherigen Alben so liebte, in "Fall Hard", "Walls" und "Paper Moon" auf, um dann bei den anderen Songs wieder in Langeweile aufzugehen. Also "The Candle Burned Out" oder "Too Late Too Slow", um es mit den Songtiteln zu sagen. Aha? Obwohl, ganz so trist ist es ja nicht, Sänger Adam Olenius haut in "Throwing Stones" immerhin raus: "If you think I'm slowing down, no I'm not slowing down." Dennoch ist mir auf dieser Platte von der Grundforderung (die sich ja im Bandnamen verankert findet) einfach zu wenig übrig geblieben.
"Work" klingt weniger "produziert" als "aufgenommen", beinahe wie eine Liveaufnahme. Was war Phil Eks (The Shins, Fleet Foxes) Einfluss als Produzent?
Bebban: Phil hat ein magisches Ohr: Dinge, die wir nicht hören konnten, fielen ihm auf. Wir spielen seitdem besser. Die Arrangements standen allerdings lange, bevor wir ins Studio gingen, daran hat er keinen Deut geändert.
Adam: Er ist aber sehr, sehr pingelig und hat uns die Songs etliche Male spielen lassen. Er kann eine furchtbare Nervensäge sein! Wir waren schrecklich müde und versuchten, nett zu sein, aber eine Zeit lang waren wir einfach nur sauer auf ihn.
Heißt das Album deshalb "Work"?
A: Das ist einer der Gründe ... Arbeit ist für uns sehr positiv behaftet, etwas, auf das man stolz ist. Wir haben zwei Alben gebraucht, um festzustellen, dass wir das hier für den Rest unseres Lebens machen könnten. Der Begriff schließt Leidenschaft ein, und die Zeit, die es braucht, etwas zu schaffen.
B: Der Titel ist auch eine Art, zu akzeptieren, dass Kunst, Musik oder in einer Band sein ein Beruf sein kann - und nicht etwas, von dem deine Großmutter nicht will, dass du es tust.
Ist Arbeit nicht das Gegenteil von Kunst?
A: Rothko, Warhol, die haben hart gearbeitet - auch wenn sie nicht Milch ausgeliefert oder Bierfässer gerollt haben.
Ihr habt diesmal in Seattle aufgenommen und euch mehr oder weniger dem schwedischen Netzwerk an befreundeten Musikern entzogen. Habt ihr es genossen, auf euch allein gestellt zu sein?
B: Wir wollten keine Gastauftritte auf dem Album. Mir war so, als sei das ein billiger Trick - als würde man sich selbst nicht trauen: Ich bin alleine nicht interessant genug, aber vielleicht, wenn ich mir jemanden dazu nehme ...
A: Wenn es passt, ist nichts dagegen zu sagen.
B: Andererseits holten wir jemanden von Soundtrack Of Our Lives dazu, um mir mit meinen Klavierparts zu helfen ... Phil war derart pedantisch damit, dass ich ausgeflippt bin. Ich habe komplett mein Selbstvertrauen verloren. Dann kam Martin (Hederos, TSOOL), und er konnte es auch nicht! Ich war so erleichtert. [lacht]
Seid ihr zufrieden mit dieser Arbeitsweise? Kleine Fehler und Ungenauigkeiten tragen ja oftmals zum Charme eines Albums bei.
B: Das war auch unsere einzige Verteidigung: Es muss nicht alles punktgenau sein. Ich glaube, Phil tickt nicht ganz richtig. Irgendwo ist da eine Zwangsstörung.
A: Die Songs sollten schon ein kleines bisschen beschädigt sein.
B: Irgendwie sind sie das auch immer noch.
Termine Shout Out Louds
23.03.2010 Rostock, Mau-Club » Details | Merken | Anreise
24.03.2010 Hamburg, Uebel & Gefährlich » Details | Merken | Anreise
25.03.2010 Berlin, Astra-Kulturhaus » Details | Merken | Anreise
26.03.2010 Dresden, Reithalle » Details | Merken | Anreise
27.03.2010 München, Backstage » Details | Merken | Anreise
28.03.2010 Zürich, Mascotte » Details | Merken | Anreise
29.03.2010 Frankfurt / Main, Mousonturm » Details | Merken | Anreise
30.03.2010 Köln, Live Music Hall » Details | Merken | Anreise
31.03.2010 Stuttgart, Wagenhallen » Details | Merken | Anreise
01.04.2010 Salzburg, Rockhouse » Details | Merken | Anreise
03.04.2010 Kopenhagen, Vega » Details | Merken | Anreise
15.07.2010 Darmstadt, Centralstation » Details | Merken | Anreise
16.07.2010 Gräfenhainichen, » Details | Merken | Anreise
13.08.2010 Püttlingen, » Details | Merken | Anreise
20.08.2010 Köln, Friesenplatz » Details | Merken | Anreise
18.10.2010 Bremen, Modernes » Details | Merken | Anreise
19.10.2010 Berlin, Astra-Kulturhaus » Details | Merken | Anreise
20.10.2010 Nürnberg, Löwensaal » Details | Merken | Anreise
21.10.2010 Augsburg, Ostwerk » Details | Merken | Anreise
23.10.2010 Mannheim, Alte Feuerwache » Details | Merken | Anreise
25.10.2010 Halle, Steintor-Varietè » Details | Merken | Anreise
26.10.2010 Hannover, Capitol » Details | Merken | Anreise
27.10.2010 Osnabrück, Rosenhof » Details | Merken | Anreise
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