Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra - Kollaps Tradixionales Artikelbild (groß)
 
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Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra

»Kollaps Tradixionales«

[Constellation / Al!ve / VÖ: 05.02.2010 ]

Text: Martin Büsser

Diese Musik verdrängt nichts, sondern wirft grelles Licht auf alle Abgründe. Ohne Versöhnung, ohne Hoffnung. Auch diese Platte: unerbittlich. Unerbittlich grausam und schön.

Im vergangenen Herbst hatten sie noch eine unerbittlich schöne Platte mit Vic Chesnutt veröffentlicht, die sich als dessen endgültiger Abschied herausstellen sollte. Nun folgt ein nicht minder unerbittliches Stück Musik voller glühender Emotion, das einen völlig geplättet zurücklässt. Hier geht nur lieben oder hassen. Hassen könnte man die Musik wegen der ständig aufgekratzten Gitarre, dem nicht minder aufgekratzten Gesang, der gerne mal außer der Spur ist, und natürlich wegen eines Pathos’, das sich kaum mehr überbieten lässt. Trommelwirbel, Glissandi, Tusch. Keine große Geste wird ausgelassen.


Gegenüber dieser Materialschlacht waren Genesis in den 1970ern die reinsten Minimalisten. Und doch ist alles ganz anders. Keine pompöse Überwältigung, kein selbstgefälliger Manierismus, sondern ein purer Verzweiflungsschrei. Ein Junge mit zerrissenem Hemd, barfuß, auf dem Cover vom Innenheft, das die Songtexte enthält. Und Zeilen wie: »There is no dream that sings anymore.« Ein totes Kaninchen auf dem Backcover, verschleppt in den Krallen eines Vogels. Eine Welt ohne Mitleid, voller Armut und existenzieller Kälte. Und Silver Mt. Zion halten darauf keine Antwort bereit, sondern liefern lediglich den Soundtrack. Ständiges Flehen und Trauern. Musik, die klingt, als ob jede Menge kleine verzweifelte Wesen im Innenraum einer unbeheizten Kirche reihenweise Kerzen anzünden, Trauerlichter an einen Gott, an den sie längst schon nicht mehr glauben. Dazu ein dumpf polterndes Schlagzeug und lodernde Streicher zwischen Klage und Anklage. Schmerz ist hier allgegenwärtig. Und genau das konfrontiert. Diese Musik verdrängt nichts, sondern wirft grelles Licht auf alle Abgründe. Ohne Versöhnung, ohne Hoffnung. Auch diese Platte: unerbittlich. Unerbittlich grausam und schön.

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