OK Go
»Of The Blue Color Of The Sky«
[Capitol / EMI / VÖ: 22.01.2010 ]
Text:
Benjamin Walter
Albtraum YouTube-Prominenz: 2006 hatten OK Go ihren Tanz auf Fitness-Laufbändern in die virale Welt des Internet geladen – nun sind sie ins kollektive Gedächtnis eingebrannt.
OK GO – das sind also für immer die mit dem witzigen Video im nerdigen Sportlerdress samt Schweißband. 50 Millionen Klicks und zahlreiche Parodien bis zu den Simpsons, da stellt sich natürlich eine Frage: Wie wird man als Band diesen Bumerang künstlerisch und ästhetisch wieder los? Sie haben es wirklich versucht: mit einem Theaterstück, als Hausband einer Radioshow und mit Posaunenmusik. Sie haben für Hurrikanopfer und Soul-Legende Al Johnson ein neues Haus organisiert, Burritos an Obdachlose verteilt und sind so, wann immer es mit geringen Mitteln etwas Verrücktes anzustellen gibt, in den USA zu einer Art mobilen DIY-Einsatztruppe geworden. Nur musikalisch ist von ihrem fröhlichen Power-Pop doch etwas wenig hängen geblieben – das traurige Schicksal aller kreativen Spaßvögel.
Das neue Album kommt nun etwas abenteuerlich ambitioniert daher. Mit einem theoretischen Gag-Überbau, einem Artwork, das die Texte in Grafik übersetzt, und Dave Fridmann (The Flaming Lips, MGMT) als Produzent. Im Ergebnis klingt das fast gar nicht mehr nach Weezer oder Cheap Trick, sondern nach Prince, Rick Astley und jeder Menge psychedelischer Melodramatik. Die Chöre, der Funk und die Kieksstimmen stehen der Band dabei erstaunlich gut zu Gesicht, doch die zerschossenen, verhallten Beats und Sounds, die das Ganze zusammenhalten sollen, schaffen ein Vakuum, das von den hemdsärmeligen Machertypen aus Chicago letztendlich nicht zu füllen ist. Außer vielleicht mit einem verrücken Billig-Video. Ist das schon die moderne Tragödie?
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