Julian Casablancas - Phrazes For The Young Artikelbild (groß)
 
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Julian Casablancas

»Phrazes For The Young«

[RCA / Sony / VÖ: 30.10.2009 ]

Text: Benjamin Walter

Überraschung? Der Strokes-Typ solo klingt wie der Strokes-Typ solo. Mit Synthies und diesen verdammten Hits.

Es wäre doch eine etwas zwangsoriginelle Pose, das Solodebüt von Strokes-Sänger Julian Casablancas zu erfassen, indem man sein Wirken in einer der vielleicht nicht besten, aber bestimmt stilprägendsten Bands dieses Jahrtausends ausklammert. Viel zu präsent ist dafür auf "Phrazes For The Young" Casablancas' ureigenes ökonomisches Songwriting mit den winzigen Harmonieschritten, zu typisch seine gelangweilte, aber trotzdem herzliche Stimme.


Da muss man sich nichts vormachen, dies ist nicht nur musikalisches Experiment im Synthie-Park und bestimmt keine angestrengte Selbstfindung, dies ist der Strokes-Typ solo. - Und warum sollte er das auch verstecken wollen? Denn wer einfach coole Popstücke schreibt, möge das doch bitte tun, und das Album beginnt stark, so stark, dass Casablancas nach den ersten drei Songs etwas jene Luft ausgeht, die man bis dahin angehalten hat. "Left & Right In The Dark" ist ein verdammter Hit mit Sonnenaufgangschorus über fast fröhlichen 80s-Synthies und einem dieser typischen Gitarrenläufe seiner Stammband, und mit der Single "11th Dimension" gelingt ihm ein Disco-Stück mit Phoenix-Touch, das noch die Tanzfläche jedes Dorffestes in einen eleganten, aufregenderen Ort verwandeln wird. Und das ist nicht einfach. Die folgenden Country-Anleihen, ohne wirklich Countrymusik machen zu wollen oder zu können, stehen dem Album dann weniger gut, doch mit "River Of Brakeslights" und "Tourist" bleibt der Abschluss versöhnlich.

Im Künstler Casablancas steckt also noch eine Menge drin für die Zukunft. Nicht alles gelingt naturgemäß, die Kernkompetenzen jedoch sind einfach und immer noch da. Die Ohren für neue oder auch alte Sounds sind weit offen, und die Stärke liegt einfach darin, weder eine radikale Neupositionierung noch reines Selbstzitat oder weises Alterswerk anzuliefern. Oder, anders gesagt, darin, eine neue Platte gemacht zu haben. Mit Ausfällen, Mittelmaß und eben diesen verdammten Hits.




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