Chelsy
»Sweet Medicine«
[S&V / Al!ve / VÖ: 29.01.2010 ]
Text:
Klaas Tigchelaar
Niedlich-harmloser Indie-Folkrock, der Mülheim/Ruhr kurzfristig zum Vorort von San Francisco macht.
Ist das schon ein verwertbares Lob, wenn die 3sat-Fernsehsendung "Kulturzeit" die Band mit den Worten "softer Rock von der Gruppe Chelsy, alle im Alter der Generation Praktikum, und natürlich besingen sie Alltagsprobleme" abfertigt? Haben bloß wieder nichts verstanden, diese Oberschicht-Prokrastinierer.
Denn das konservativ besetzte Rocktrio kommt zwar zu allem Überfluss aus Mülheim an der Ruhr (Bandeinschätzung: "beschaulich"), hat es aber gar nicht verdient, so gelangweilt abgekanzelt zu werden. Schließlich hört man nichts von dieser doch irrelevanten Wahrheit aus dem zwischen gezupftem Folk und gefällig ratterndem Buffalo-Tom-Rock herausströmenden Herzschmerz heraus. Zurückhaltend vorgetragenes Können trifft auf gefällige Pop-Interpretationen mit Gitarren, Percussion und einer sympathisch unauffälligen Stimme. Und sie haben keine Angst vor Oh-Oh-Oh-Chören. Chelsy scheinen die nette Nebenan-Band zu sein, die gestandenen US-Vorbildern nacheifert und sogar gegenüber 3sat nicht nachtragend erscheinen möchte.
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