Jaga Jazzist
»One-Armed Bandit«
[Ninja Tune / Rough Trade / VÖ: 29.01.2010 ]
Text:
Malte Carli
Karriere ist zwar scheiße, aber das nächste Treppchen zum musikbildungsbürgerlichen Trocken-Jazz-Gipfel klingt einfach zu verlockend.
Einarmig ist der Maschinenkamerad, der mir die letzten Euro Stütze aus der Hosentasche gezogen hat, einarmig auch der Mäuschenschieber am Powerbook der Vergissdenganzenscheiß-Party, auf die mich irgendwer doch noch geschmuggelt hat. Und was spielt der Mausmann da? Den Jaga Jazzist, ein norwegisches Musikmonster mit 18 dauertrompetenden, -zupfenden, -posaunenden Händen, das einen mit schierer Prog-Jazz-Gewalt einfach an die Wand plättet. Kein schlechter Tag, denk ich. Auch wenn Big Band als kollektives Klangerweiterungslabor kein neues Kapitel in der Musikgeschichte ist, sorgt das Norwegenmonster immerhin dafür, dass man noch weniger weiß, in welchen Genre-Band das Ding einsortiert gehört.
Schlaumeier-Jazz und -Fusion, Post-, aber auch Math-Rock: muss alles getaggt werden. Ist vielleicht was für den zunehmend solide Handarbeit schätzenden Kräuterschmauchkopf, der von der alten Groove-Headz-Compilation runter beziehungsweise eine musikbildungsbürgerliche Schicht höher rauf möchte. Hm, trotzdem super. Meinetwegen kann das Jazz sein. Auf jeden Fall taumle ich gerade über ein Hyper-Irgendwas-Plateau, auf dem Cinematik, klassischer Minimalismus, Polyrhythmik und Trockenbässe nicht nur zusammengedacht, sondern gleich zusammengeknüppelt werden. Auch knüppeln wollen!
Termine Jaga Jazzist
26.02.2010 Bielefeld, Kulturkombinat Kamp » Details | Merken | Anreise
07.03.2010 Berlin, Volksbühne » Details | Merken | Anreise
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