Lindstrøm & Christabelle
»Real Life Is No Cool«
[Smalltown Supersound / Al!ve / VÖ: 22.01.2010 ]
Text:
arno raffeiner
Nassrasur statt Vollbart? Im Verein mit Christabelle zerrt Lindstrøm Space Funk aus der schummrigen Daddelecke mitten ins Discokugellicht.
Hans-Peter Lindstrøm mag der Daddelkönig der balearischen Inseln im Oslofjord sein, aber er kann auch anders. Zum Beispiel so wie Michael Jackson zu dessen besten Zeiten: in beschwingtem Discoschritt, mit funky Gitarrenlicks und groß aufgefahrenen Bläserfanfaren oder Streichersätzen aus der Electrokiste. All jene, die bei Lindstrøms letztem, gemeinsam mit Prins Thomas großteils live eingespieltem Album abgedreht haben, weil ihnen die Jams doch zu überdreht, die Bad-Taste-Verweise zu krass oder die Schleicherrhythmen zu sehr aus der Spur waren, die werden mit "Real Life Is No Cool" ausgezeichnet bedient.
Der entscheidende Plateausohlen-statt-Vollbart-Faktor heißt Isabelle Sandoo alias Christabelle. Unter dem Decknamen Solale war die norwegisch-mauritische Sängerin bereits auf zwei Lindstrøm-EPs zu hören und sorgt nun dafür, dass eine Vangelis-Interpretation ("Let It Happen"), im Original ein ziemlicher Ethno-Hippie-Schmachtfetzen, direkt auf die Tanzfläche zusteuert, die obligate Moroder-Verherrlichung einen verdammt souligen Touch bekommt ("Let's Practise") und eine Nummer wie "Baby Can't Stop" eben zur besten King-of-Pop-Gedächtnisveranstaltung seit dem Sommer 2009 wird. Einziger Grund für eine Träne im Knopfloch: dass es der Versuch, Zapps "Computer Love" zu covern, nicht auf dieses Album geschafft hat.
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