Musée Mécanique
»Hold This Ghost«
[Souterrain Transmissions / Rough Trade / VÖ: 29.01.2010 ]
Text:
Frank Schuster
Freak-Folk, Spacig-Sein, Oszillieren zwischen Sound und Song - auf dieser Platte keine hippiemäßige Strafe, sondern vernünftig spitze.
1978, die elektronische Musik steckte gerade in der Pubertät, gab der Schweizer Musiker und Toningenieur Bruno Spoerri dem Rowohlt-Taschenbuch-Periodikum "Rock Session" Folgendes zu Protokoll: "Der Synthesizer war nie als Erzeuger von standardisierten, einem bestimmten Instrument zuschreibbaren Klängen gedacht, im Gegenteil: Er war als Baukastensystem konstruiert, das in keiner Weise vorschreibt, welche Klänge damit erzeugt werden." Die Wirklichkeit sah damals und sieht heute anders aus. Mit Synthies und ihren Nachfolgetechnologien werden nach wie vor für den Hörer sofort und leicht identifizierbare Muster generiert, ein Streicher-Teppich hier, ein Bläser-Satz dort. An die Entwicklung nie zuvor gehörter Klänge wagen sich nur wenige Künstler.
Musée Mécanique aus Portland, Oregon drehen nun den Spieß um: Auf ihrem Debütalbum "Hold This Ghost" finden sich lauter seltsame Sounds, deren Ursprung nur schwer identifizierbar ist; so spacig sie sind, ist doch so gut wie keiner der Klänge elektronischen Ursprungs. Neben gezupften E- und Akustikgitarren, die den hippieesken, freak-folkigen Sound des Quintetts zusammenhalten, ertönen allenthalben altmodische Pumporgeln, Glockenspiele oder auch einmal eine singende Säge. Passenderweise hat sich die Formation nach einem kleinen Museum in San Francisco voller mechanischer Klaviere und anderer urzeitlicher Automaten benannt. In der Orchestrierung beweisen Musée Mécanique einen enormen spielerischen bis experimentellen Klangfarbenreichtum; in puncto Komposition sind sie nicht ganz so wagemutig und folgen den von anderen Freak- und Weird-Folkern - oder auch schon von Bands wie Air oder den frühen Pink Floyd - vorgegebenen Mustern. Doch das Oszillieren zwischen Sound und Song, das Bändigen von klanglich Ausuferndem, das Ins-Songgerüst-Zwängen von spacig Abdriftendem, hier ist es einmal mehr ein schönes Spiel.
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