Charlotte Gainsbourg
»IRM«
Text:
Sven Kister
Vor ein paar Jahren brachte Charlotte Gainsbourg ein variantenreiches All-Star-Songwriter-Album mit u. a. Jarvis Cocker und Neil Hannon auf. Diesmal hat sie sich bloß Beck gesucht. Und mit ihm ein außergewöhnliches, nicht minder vielseitiges Album gefunden.
Krankheit als Weg - in der Psychoanalyse und im Repertoire von Blumfeld ist das nichts Abwegiges. Die Idee, die dahintersteckt: Der Körper wird nicht arbiträr heimgesucht von zufälligen Viren, sondern versucht seine eigenen Bedürfnisse in der Krankheitsgeschichte zu formulieren.
Bei Charlotte Gainsbourg findet diese Herangehensweise bereits in dem rätselhaften Titel Niederschlag. "IRM" bezieht sich auf den Namen einer Form der Hirnblutung, an welcher die Tochter von Serge Gainsbourg vor zwei Jahren litt. Damals war gerade ihr ebenfalls sehr speziell betiteltes Album "5:55" erschienen. Ins künstlerische Hoch mischte sich eine schwere Krankheitserfahrung. Ungeachtet dessen bzw. ganz bewusst ist das Titelstück (die erste Single) "IRM" das vielleicht positivste des gesamten Albums. Aufgezogen findet sich der Track als Duett, die zweite Stimme gehört Beck Hansen, der die ganze Platte auch produziert hat. In dem Ergebnis scheinen sich die beiden unterschiedlichen Ausgangswelten wiederzufinden: Becks schlaue Knarzigkeit sowie Charlottes Chansonwurzeln und unverrückbarer Liebreiz. Diese Kollaboration kann man nur gelungen finden. Sie berührt, ohne in irgendeiner Form plump oder distanzlos zu sein.
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