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Savoy Grand

»Accident Book«

[Glitterhouse / Indigo / VÖ: 27.11.2009 ]

Text: Frank Schuster
[21 Kommentare]

Langsamkeit hat auch auf dem neuen Werk nichts mit Langeweile zu tun. Man kann sich weiterhin an dem Atemholen, Luftschöpfen, Innehalten, Raumlassen, Leisetreten, Stillehalten erfreuen, was die Songs dieser Band so einzigartig macht.

Die Entdeckung der Langsamkeit geht weiter. Auch bei der Produktion von Savoy-Grand-Alben. Vier Jahre sind es seit der letzten Veröffentlichung "People And What They Want". Und auch davor ließ sich die Band aus Nottingham drei Jahre Zeit, um nach ihrem Durchbruch "Burn The Furniture" den Nachfolger zu liefern. Nicht nur die Savoy-Grand'sche Veröffentlichungsmaschine läuft langsam. Langsam sind auch weiterhin die Songs. Sehr, sehr langsam.


Nach nunmehr vier Alben voller zeitgedehnter Lieder kann man sich zwar fragen, ob das bedächtige Akkorde-Setzen und das Lange-Pausen-dazwischen-Lassen nicht schon irgendwie eine Masche geworden ist, man kann sich aber auch weiterhin an dem Atemholen, Luftschöpfen, Innehalten, Raumlassen, Leisetreten, Stillehalten erfreuen, was die Songs dieser Band so einzigartig macht. Klar, auch andere hatten sich schon Slo-Mo, Quiet Is The New Loud und Ähnliches auf die Fahnen geschrieben, in dieser Konsequenz setzt das aber kaum jemand fort. Langsamkeit hat auch auf dem neuen Werk nichts mit Langeweile zu tun. Das Entschleunigen der Klänge, das Aus-der-Zeit-Holen, das impressionistische Hingetupfe, das Talk-Talk-gleiche Sich-in-sich-selbst-Versenken sorgen vielmehr dafür, dass man quasi immer näher mit dem Ohr an den Lautsprecher ranrückt, sich an den Verträumtheiten, der Fragilität der Klänge berauscht. Mister Langley und O'Riordan, bitte brauchen Sie trotzdem nicht wieder so lange bis zum nächsten Album! Schließlich brachte Slo-Mo-Grandseigneur Nick Drake in vier Jahren drei Alben raus. Und außerdem muss man dann auch nicht so lange bangen, ob Sie Ihre Band vielleicht längst aufgelöst haben.


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  • User: qwert_zuiopü
  • qwert_zuiopü 13.11.2009 | 18:05:40

    erst gestern im ME entdeckt, dass es ein neues album gibt - und dann auch noch so bald! juhu!

  • this_is_forever 14.11.2009 | 21:35:02
    rumpeldipumpel
    auch von mir ein juhu, ob dieser nachricht.

    aber sowas von.

  • User: qwert_zuiopü
  • qwert_zuiopü 27.11.2009 | 16:04:16

    in der ganzen stadt rumgegurkt und die cd noch immer nicht in händen. kann doch nicht sein, dass es die in keinem einzigen plattenladen hier gibt! hab auch keine lust ständig amazon das geld in den rachen zu schieben...

  • creation2 27.11.2009 | 16:08:01
    Fortunist
    VÖ war wann?

  • this_is_forever 27.11.2009 | 16:34:50
    rumpeldipumpel
    haha!

    ich hab sie schon!

  • this_is_forever 27.11.2009 | 19:08:32
    rumpeldipumpel
    und es wird wohl wieder ein die unaufgeregtheit zelebrierendes meisterwerk werden.

    zumindest verspricht dies der erste hördurchlauf mit kerzenschein und mandarinen.

  • User: Totalmassconfusion
  • Totalmassconfusion 06.12.2009 | 11:47:23
    http://8tracks.com/totalmassco
    Kommen die nach Deutschland spielen?

    Hab die mal in Heidelberg gesehen, das war wie in einer anderen Welt. Der Schlagzeuger spielte mit Gipsbein und benutzte die Becken manchmal mit blossen Händen....

  • User: swiss_slacker
  • swiss_slacker 09.12.2009 | 13:46:41
    Popsau & Chüngelzüchter
    Viereinhalb lange Jahre nach dem letzten grossartigen Output melden sich die inoffiziellen Könige des Slow-Cores langsam, aber sehr eindrücklich zurück.

    Laute und rockige Musik, das überliessen die Mannen um Songwriter und Sänger Graham Langley schon immer den anderen und basteln nunmehr seit über zehn Jahren, drei Alben und einer handvoll EPs konsequent am perfekten Entwurf für die ewig herbstlich und verregneten Tage des Lebens.

    Das ändert sich auch auf dem neuesten Werk der vier Briten nicht. Noch immer fallen die atmosphärischen Songs langsam wie Blätter von den Bäumen und fordern Zeit und Geduld, um ihre Wirkung voll und ganz entfalten zu können. Gut Ding will halt Weile haben. So wird es dann auch niemanden verwundern, dass die Songs zwar um einiges kürzer sind als auf dem Vorgänger, aber noch immer einen Schnitt von gut fünfeinhalb Minuten Dauer aufweisen. Kurzweilige fünfeinhalb Minuten, in denen bedächtige Gitarrenakkorde mit einer zarten und resignierten, aber nie weinerlichen Stimme entrückt Hand in Hand durch Raum und Zeit schlendern. Einer Stimme voller Ehrlichkeit und Intensität, die von Ängsten und Zweifeln, von Bedauern und Träumen, die nicht wahr wurden, berichten. Der Mann spricht vom Leben, das spürt man. Begleitet werden Gitarre und Wort von skizzenhaften Piano-, Orgel-, Bass- und Schlagzeugtupfern. Einzelne Songs hervorzuheben scheint angesichts eines so geschlossenen Albums fast nicht möglich. Vielleicht am ehesten noch „The Undertaking“ mit seiner eindringlichen Melodie, die an Arab Strap zu Philophobia-Zeiten erinnert.

    Zu kritisieren gibts eigentlich nur sehr wenig. Mir fehlen hie und da die vereinzelten Krachausbrüche früherer Alben. Aber das ist dann schon nörgeln auf allerhöchstem Niveau. Wie nur wenige Bands verstehen Savoy Grand die grosse Kunst des Weglassens. Seit Jahren wird mit minimalen Mitteln ein Maximum an Gefühl, ja gar an herzzerreissender Schönheit erreicht. Savoy Grand sind der Soul für die zwei drei Stunden vor dem Morgengrauen. Und dies trotz oder vielleicht gerade wegen der Schwere in ihrer Musik.

  • User: _wahr_
  • _wahr_ 09.12.2009 | 13:56:05
    Hausmeister TUWP

    Savoy Grand sind der Soul für die zwei drei Stunden vor dem Morgengrauen.


    was, zwischen 5.30 und 6.30 uhr hörst du savoy grand? dann könnte ich den übrigen tag vergessen.
    ;)


    (danke für den schönen, langen text. erinnert mich an TUWP-zeiten)

  • User: swiss_slacker
  • swiss_slacker 09.12.2009 | 14:13:18
    Popsau & Chüngelzüchter
    ich finde, die musik passt da am besten hin. nach dem ausgang z.b zum runterkommen. oder halt alleine zu hause vor dem fenster, draussen regnets und man macht seine letzte büchse cola light auf :-)

  • User: _wahr_
  • _wahr_ 09.12.2009 | 14:26:47
    Hausmeister TUWP
    auch nicht schlecht. aber warum cola light? bei der schweren musik. ;)

    ich glaube ja im übrigen, dass savoy grand einigen humor besitzen. das cover ist doch voll lustig. dieses schwein, das sich da durchs trockene und steinige ackergeröll riecht. wahrscheinlich auf der suche nach kartoffeln. oder sind das gar kartoffeln und keine steine? und dann die frage, die graham langley einst rembert stiewe (lebende glitterhouse legende) stellte, als sich beide ein konzert von midnight choir (oder war es white birch?) in london anschauten: "Does he sing in english?" (according to spex, ca. 2005).

    (notiz an mich: das humorverständnis von savoy grand..., hm, vielleicht sollte ich noch einen dritten text über die band verfassen...)

    Editiert von _wahr_ am 09.12.2009 14:27:26
    Editiert von _wahr_ am 09.12.2009 14:28:42

  • this_is_forever 28.02.2010 | 16:42:10
    rumpeldipumpel
    hab heute beim wohnungsputz alle drei alben einmal durchgehört und muss sagen, accident book ist ihre beste scheibe.

    unaufgeregt, keine unnötigen spielereien, sehr dicht.

    bin schon ganz hibbelig, weil ich sie morgen zum ersten mal live sehen werde.

  • this_is_forever 03.03.2010 | 08:13:19
    rumpeldipumpel
    und ich war zu recht hibbelig. bis auf den besoffenen "creme brulee - typen" ein rundum genialer abend.

    hätte nicht gedacht, dass die stimme live noch intensiver kommt.

    Editiert von this_is_forever am 03.03.2010 08:13:41

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