Captain Planet
»Inselwissen«
[Unterm Durchschnitt / Broken Silence / VÖ: 23.10.2009 ]
Text:
Christian Steinbrink
Seit Turbostaat war keine Band aus unseren Breiten in diesem Genre mehr so souverän großartig.
Der Gedanke an unsere Verfehlung, das fantastische Captain-Planet-Debüt "Wasser kommt, Wasser geht" von 2007 im Intro durchrutschen haben zu lassen, zieht unsere Mundwinkel noch bis heute Richtung Keller. Ein Miss. Unverzeihlich und peinlich. Das begriffen wir spätestens auf den Konzerten der Hamburger, die die guten Stränge von Emocore und Deutschpunk so zwingend vorführten wie schon lange niemand mehr vorher.
Nun ist die Zeit da, um Buße zu tun und zu feiern, dass es die Band aus Dreißigjährigen trotz Vaterschaft und Abschlussprüfung geschafft hat, ein zweites Album namens "Inselwissen" herauszugeben. Dass die Band uns wieder tief in Nüchternheit und Angst mitzieht, dass sie neue Songs geschaffen hat, die aus der Sonne schieben, treiben und zerren und eine Wahrhaftigkeit malen, die genauso erdet wie Wut schürt. Mit unwiderstehlich dynamischen Gitarrenfiguren und dem stets viel zu hohen, nervenzerrenden und gerade deshalb so scharfen Gesang Jan Arne von Twisterns. Es geht um Diskrepanzen zwischen Jugend und Erwachsen-Werden, zwischen Verantwortung und Unabhängigkeit, um Kämpfe, Berufe und Prüfungen. Wer da nichts spürt, lebt auf einer sehr kleinen Insel und verpasst etwas, von dem Captain Planet ein immer bedeutsamerer Teil werden können. Klaro: Seit Turbostaat war keine Band aus unseren Breiten in diesem Genre mehr so souverän großartig.
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