Alec Ounsworth
»Mo Beauty«
[Anti- / Indigo / VÖ: 16.10.2009 ]
Text:
Martin Büsser
Kann sich noch jemand an Clap Your Hands Say Yeah erinnern? Das war einer unter vielen Hypes in den letzten Jahren, der dann doch nicht so eingeschlagen hat, wie sich das einige vorgestellt hatten.
Ungeachtet des Hypes steckte zumindest in einem sehr viel Potenzial: Die Stimme von Alec Ounsworth ist absolut unverkennbar. Leicht leiernd, hoch, verziert und oft gehetzt wirkend, dreht der Mann Stimmband-Kapriolen, die man gerne auch mal in einem anderen Kontext hätte hören mögen. Das ist jetzt möglich, denn für sein erstes Soloalbum hat Ounsworth seinen Gesangsstil beibehalten, fischt aber musikalisch in ganz anderen Gewässern.
Die musikalische Begleitung ist zurückhaltender als bei Clap Your Hands, lässt dem Gesang mehr Raum. Hier gibt es keinen hektischen Wave, die meisten Stücke haben einen eher schleppenden Beat, dieses leicht Tumbe und Behäbige, was man auch von Tom Waits her kennt. Kunststück, schließlich wurde die Platte in New Orleans aufgenommen, ein Umfeld, das auch Spuren in der Musik hinterlassen hat, zum Beispiel in den Bläsern auf einer Nummer wie "Idiots In The Rain". Der New-Orleans-Sound, gepaart mit einer Spur Brecht/Weill, Vaudeville und Chanson, ergibt zusammen mit Ounsworths hoher, manchmal tänzelnder Stimme ein eigenartig dandyeskes Gemisch, das sich so gar nicht mehr nach New Yorker Kellerclubs anhört, sondern eher nach Musikern, die auch in ihrer Freizeit Westen, Manschettenknöpfe und Melonen tragen. Produziert hat Steve Berlin (Los Lobos, John Lee Hooker), was einen Hinweis auf den wertkonservativen Charakter dieser Musik gibt, dank deren Bodenständigkeit sich die gesangliche Exzentrik voll entfalten kann. Eine rundum gelungene Veröffentlichung, die möglicherweise keinen Hype erfahren wird und dennoch die volle Aufmerksamkeit verdient.
Inwieweit sind deine Aufnahmen von europäischer Musik, also zum Beispiel von Kurt Weill und Chanson geprägt?
Sie sind es, es ist schließlich unmöglich, die musikalische Tradition Europas zu ignorieren. Ich kann allerdings schwer sagen, was mich davon direkt beeinflusst hat.
Unterscheidet sich die musikalische Herangehensweise als Solomusiker von der mit Clap Your Hands Say Yeah?
Nein, da gibt es keine Unterschiede.
Welchen Eindruck hattest du von New Orleans?
Es ist eine sehr ehrliche Stadt. Die Stadt strahlt etwas aus, das mir das Gefühl gab, mich dort wohlzufühlen.
Du arbeitest sehr viel mit Kontrasten: Die Texte sind oft düster, die Musik ist freundlich. Geht es dir darum, Widersprüche und innere Zerrissenheit aufzuzeigen?
Ich glaube, das ist etwas, was bei Clap Your Hands Say Yeah eine viel stärkere Rolle gespielt hat. Ein Ausdruck von Optimismus, allerdings in Form der Tragödie vorgetragen ..., so etwas in der Art. Kurzum, etwas Düsteres umgibt mich und meine Gedanken, das stimmt schon, aber ich glaube, das trifft auf alle Menschen zu. Mir wurde schon öfters von Leuten gesagt, dass ich die Dunkelheit vor mir hertragen würde. Aber das ist nichts Bedauerliches. Es ist eben so.
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