Editors
»In This Light And On This Evening«
[Pias / Rough Trade / VÖ: 09.10.2009 ]
Text:
T.L. Renzsche
[59 Kommentare]
Die von den Editors ausgereizte Indieschiene hat ausgedient, die Stadionwelt von U2 und Konsorten kann erobert werden. Von T.L. Renzsche.
Ausführlich widmet sich Peter Flore in diesem Artikel den Veränderungen im Leben der Editors-Mitglieder, insofern sei das an dieser Stelle ausgeblendet. Beginnen wir lieber mit dem Titel, dem, wenn man ihn eng liest, bereits der deutliche Hinweis auf Veränderungen im Sound ("In This Light") innewohnt und der dabei auch sehr bestimmend den Hörer zum genauen Zuhören auffordert ("On This Evening") - zumindest will ich diese Verbindlichkeit heraushören.
In Schlagwörtern ausgedrückt, hat sich der dunkle Editors-Trademarksound ein wenig abgewandt von den Kollegen Interpol hin zu den breitwandigeren Killers. Statt nur mit klassischem Bandinstrumentarium die süße Pathosversuchung zu generieren, docken beim Synthie-Pop der 80er-Jahre an - besonders deutlich kann man das auf der ersten Singleauskopplung "Papillon" hören, deren Melodieführung einem schwer bekannt vorkommt.
Um zu erahnen, wohin diese Soundveränderung führen soll, muss man kein Prophet sein: Die von ihnen ausgereizte Indieschiene hat ausgedient, die Stadionwelt von U2 und Konsorten kann erobert werden. Und dort ist bekanntlich noch mehr Pathos gefragt. Wie so oft versteckt sich hinter einem derart intensiv performten Gefühlshaushalt jedoch viel Schmalz und wenig Authentizität - und so toll Inszenierungen in Pop sind, so sehr sind sie doch gebunden an einen zugehörigen Soundentwurf der Künstlichkeit. Wo viel Gefühl als das Maß aller Dinge ausgegeben wird, da fühlt man sich irgendwie belogen - und das fühlt sich bekanntlich nie gut an.
Termine Editors
12.11.2009 Köln, Palladium » Details | Merken | Anreise
17.11.2009 Hamburg, Große Freiheit 36 » Details | Merken | Anreise
20.11.2009 Bielefeld, Ringlokschuppen » Details | Merken | Anreise
21.11.2009 Berlin, Columbiahalle » Details | Merken | Anreise
22.11.2009 Dresden, Reithalle » Details | Merken | Anreise
29.11.2009 München, Tonhalle » Details | Merken | Anreise
30.11.2009 Stuttgart, LKA-Longhorn » Details | Merken | Anreise
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Breitnigge 11.10.2009 | 12:49:18
Eine typische Intro-Null-Kritik! Als ob allein die Verwendung von Gitarren "Indie"-Glaubwürdigkeit garantieren würde! Auch ist natürlich böse, wenn eine Band Hörer dazugewinnt. Ich glaube, ich gründe da mal die ultimative Indieonemanband, die immer nur für mich allein spielt, deren T-Shirt ich allein kaufe!
Ich finde, die neue Platte sehr ungewöhnlich, ich durfte die Band mal interviewen, in ihrer "Indiezeit", und war schon beim ersten Konzert der Meinung, dass die großartig sind! Das liegt vor allem an dem Live-Auftritten, an denen sich Interpol durchaus ein Beispiel in punkto Qualität nehmen sollte! Der Mut zur Veränderung hat mich wie der Auftritt in der Maria sehr beeindruckt!
adlerohr 11.10.2009 | 13:30:25
gehirnzellenmassaker
Obwohl oder gerade weil das neue Werk der Editors anders ist, als der/die Vorgänger hatte ich keine Mühe, mich hinein zu hören. Spätestens an der Stimme von Tom Smith erkennt man, dass es sich hier um die Editors handelt, und ich wurde von der Instrumentierung des neuen Albums zwar überrascht, aber keineswegs abgeschreckt.
Ungewöhnlich stimmt, beeindruckend auch. Ich höre weiterhin gerne Editors.
KLAXON 11.10.2009 | 13:59:01
Mir gefällt das Album bis auf Papillon gar nicht. Alles zu durchschnittlich und nicht wirklich interessant.
rockotron 11.10.2009 | 15:04:12
lackaffe
schlach mer doot, aber ich finde das album tatsächlich ziemlich gut. ich höre sogar wieder lieber editors als nach dem etwas übertrieben pathostriefenden letzten album. der titelsong ist klasse.
Peter Flore 12.10.2009 | 10:06:47
Köstlich
Gute Platte, kann man doch auch mal so sagen, oder?
DJ Micha 12.10.2009 | 11:23:25
Editors haben mit der neuen Platte alles richtig gemacht. Eine klasse Elektro-Wave Platte, passend zur Jahreszeit. Besser als ne Selbstkopie und trotzdem von der Atmosphäre her Editors.
Freu mich jetzt noch mehr auf's Konzert.
Und "Papillon" ist für mich die Single des Jahres.
DJ Micha 12.10.2009 | 11:28:06
...und wer hier irgendwie Killers raushört sollte sich mal beim Ohrenarzt die Ohren ausspülen lassen. Kann ja wohl nicht wahr sein. Stadionwelt? Was??
Editiert von
DJ Micha am 12.10.2009 11:28:27
Boobby 12.10.2009 | 12:59:30
Naja man kann sagen das editors ein gutes Album gemacht haben. Allerdings finde ich den neuen trend den sie gehen schade. Mich erinnert die Platte vom trend her ein bisschen an franz ferdinand...diese sagten auch: "wir wollen mal was neues probieren" und haben wie editors den sinthesizer eingesetzt und sind nicht ihrer ursprünglichen linie treu geblieben und mal ehrlich.... die alten platten bei denen die gitarre mehr gewicht hatten waren doch viel besser.
ösel 12.10.2009 | 16:42:30
Polterkowski & Söhne
Sinthesizers are a sin....
Editiert von
ösel am 12.10.2009 16:43:03
penelope_p 12.10.2009 | 18:03:08
ich bin heute in einen musikladen und wollte mir die neue platte anhören, aber trotz allen mühen ich konnte mich nicht mit ihr anfreunden, mir hat einfach die power gefehlt, alles wirkte sehr monoton. ich war wirklich enttäuscht und hatte mich eigentlich auf eine gute platte gefreut. schade.
rockotron 12.10.2009 | 19:48:42
lackaffe
immer wieder interessant zu sehen (und mitunter schwer vorhersehbar), bei welchen platten die ganzen irren aus ihren löchern kommen.
Gerd Rubenbauer 13.10.2009 | 00:03:42
Gegenteilige Meinungen sind jetzt wohl nicht mehr erlaubt oder was?! Mann, mann, mann.
Gerd Rubenbauer 13.10.2009 | 03:46:40
Trotzdem.
nanker 13.10.2009 | 09:56:46
irgendjemand schon den supi TIESTO-remix von Papillion gehört?
wenn ja, kann mir derjenige wahrscheinlich auch gleich erklären, was der Typ von Bloc Party, Emily Haines, Tegan & Sara sowie die Cary Brothers auf dem neuen Tiesto-Album machen... Wurden die alle mit Chloroform umgemacht und dann mit dem Typen ins Studio gesperrt oder hat man es hier mit einer Form von kollektiver geldgeiler Geschmacksverirrung zu tun?
Hat sich das (das ganze Album) mal jemand angehört?
rockotron 13.10.2009 | 10:28:41
lackaffe
Hat sich das (das ganze Album) mal jemand angehört?
ja, siehe anderer thread. unfassbar.
Lifad 13.10.2009 | 21:51:05
Ausstieg jetzt! Nur abschalten ist sicher!
Solange kein Endlager für die musikalische Umweltverschmutzung von Bands wie Editors (setzen sie hier bitte weitere Bandnamen der aktuellen Musikbelanglosigkeit ein) gefunden wird, sollte man diese Bands abschalten.
Kein Mensch braucht diese Masse an Störfällen retro-orientierten Abfalls.
Unsere Lebenszeit ist zu schade, um sich mit nachgeäfften Billigkompositionen zu befassen, wo nicht mal mehr ein Top-Produzent wie Flood was retten konnte.
Das ganze Luftpumpen-Repertoire dieser Bands verstrahlt die Musikindustrie.
3 Monate nach Veröffentlichung landen diese bei der heutigen Jugend und Kritik gefeierten Bands auf dem Castortransport ins für uns alle finanzielle Nirvana für 4,99 im Saturn Regal. Und kein Demonstrant kann das aufhalten, egal, wie fest er sich an den CD Player kettet!
Der gemeine Musikliebhaber hat heute keinerlei Chance mehr, sich gegen die Kopisten-Lobby und Unfähigkeitsriege der Plattenbosse zu wehren.
Die Betriebserlaubnis für die meisten Labels wäre woanders schon lange entzogen.
Aber was macht die Plattenindustrie? Sie veröffentlicht am laufenden Band eine tödliche Dosis musikalischen Abfalls und jammert, anstatt auf alternative Energien zu setzen! Die Mehrheit der Musik hörenden Deutschen will den Ausstieg, jetzt, sofort!
Ich mache den Vorschlag wir steigen aus, aus diesem Konglomerat der Einfallslosigkeit und wenden uns wieder Künstlern zu, wo einem 40 Jahre nach Veröffentlichung noch ein wohliger Schauer über den Rücken läuft, wenn man deren Songs hört. Künstler fördern, die Werte, auch für die Zukunft schaffen.
david addison 13.10.2009 | 21:58:18
betterknower.
i break together
KLAXON 13.10.2009 | 21:58:43
Ist das eigentlich immer der gleiche Neuling oder wie steht das im Zusammenhang?
Lifad 13.10.2009 | 22:00:50
Kannst schon sicher sein, dass ich echt bin. ;-)
rockotron 14.10.2009 | 00:14:07
lackaffe
bei mir ist nur hängengeblieben:
Nirvana für 4,99 im Saturn Regal
da fahr ich auf jeden fall mal hin.
und nehme vielleicht gleich noch die neue editors mit.
Misname 14.10.2009 | 11:16:53
@Lifad:
natürlich bist du "echt" und vermutlich fühlst Du Dich zudem noch "for real"...
jedenfalls auf diesen einfall muss man mal kommen: mit einer ultimativ-wertkonserativen haltung die rückgewandheit anderer zu kritisieren.
und die "Industrie"-Schelte ist soetwas von "gähn".....
Legalman 14.10.2009 | 12:45:28
Rotweintrinkeroder hat man es hier mit einer Form von kollektiver geldgeiler Geschmacksverirrung zu tun
Ganz genau.
Lifad 14.10.2009 | 15:48:01
@misname
Nix gähn!
Das ist doch der Niedergang der Popmusik, der mittlerweile seit vielen Jahren kontinuierlich fortschreitet. Die Verantwortlichen jedoch (Industrie, Presse und Rundfunk) verweisen auf die Schwarzbrenner... und machen weiter wie bisher.
Seit 1994 gibt es den deutschen Rolling Stone. Sehr früh fing man an, den Magazinen CDs mit neuen Talenten beizufügen. 90 % der dabei vorgestellten Musiker machten Retro, waren also voll auf die 60er, 70er und 80er gepolt, wurden über den grünen Klee gelobt und sind längst vergessen. Zum wirklichen Megastar hat es bei keinem gelangt. Wie weit eine heute populäre Band wie Coldplay es schaffen wird in die Annalen einzugehen (oder ob es allenfalls für die Analen reicht), bleibt abzuwarten.
Musikzeitschriften werden nicht mehr gelesen, 80% der Jugendlichen interessieren sich nach Umfragen nur noch am Rande für Musik, bei "Wetten dass...?" schalten während der Musikblöcke laut Gottschalk zwischen 3 und 4 Millionen Zuschauer weg, noch nie gab es so wenig Popmusiksendungen wie zur Zeit im deutschen Fernsehen, und die Musiksender... na, da schweigen wir auch besser drüber.
Wer vor diesem Hintergrund noch behaupten will, das läge alles am illegalen Downloader, der hat die Zeichen wirklich nicht erkannt.
Es geht nicht um Schwarzbrenner - es geht um den Stellenwert, den Musik heute noch hat. Der rangiert jedoch weit hinter Klamotten, Handys, Videospielen, Filmen und was weiß ich noch alles. Und an der Stelle muss man fragen, woran das liegt.
Die Gründe sind natürlich vielschichtig, aber einer ist definitiv der, dass die Popmusik im Großen und Ganzen langweilig geworden ist. Es gibt zuviel Gleiches und in immer kürzeren Abständen noch mehr Gleiches (aber immer mit dem Prädikat: The Next Big Thing - vor allem aus UK).
Immer höre und lese ich von neuen musikalischen Offenbarungen, und dann sieht und hört man die Band und denkt: Hm, sehen aus wie Oasis und klingen wie die Smiths. Ein halbes Jahr später präsentiert uns der NME die Sensation schlechthin - eine Band, die aussieht wie Blur und klingt wie The Who. Und so geht das weiter...
Die seriösen Fachmagazine hypen diese Bands, das Radio ignoriert sie (zumindest solange, bis eine von ihnen Top 5 ist) und der breiten Masse ist das trotzdem scheißegal.
Die Alternativen zum Retrosound (wahlweise elektronisch oder rockig) sind die jodelnden Frauen und Männer im Stile von Shakira und Enrique Iglesias - ach so, und dann gibt es auch noch die Nischenmusik.
Das ist das, was ich sehe. Was ich nicht sehe ist Innovation von Charakterköpfen, die einfach anders klingen wollen als alles vorher Dagewesene und diejenigen, die solche Leute fördern wollen.
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