Horse The Band
»Desperate Living«
[Vagrant / Soulfood / VÖ: 02.10.2009 ]
Text:
Felix Scharlau
Brachial-Core, Synthie-Demut, Disco-Feeling, Honky Pop. Was kann, geht. Und die Band kann viel.
"Ach so, und euer Musikstil wird euch dann kurz vorm Recall zugelost!" Das Haupt-Dogma von Casting-Shows scheint dieses ausgesprochen derangiert dreinschauende Quintett aus Kalifornien schon seit zehn Jahren verinnerlicht zu haben. Oder warum betreibt die Band sonst - wie von einer höheren und ausgesprochen kaputten Macht bestimmt - seitdem die Auflösung allen ästhetischen Seins?
Brachial-Core, Synthie-Demut, Disco-Feeling, Honky Pop. Was kann, geht. Und die Band kann viel. Dass ihr Stil gerne mal als Nintendo-Core bezeichnet wurde, weil sich einige frühere Stücke mit der Erlebniswelt des japanischen Videospielherstellers auseinandersetzten, war vor dem Hintergrund eine reine Verlegenheitszuschreibung schlichter Geister. Auf "Desperate Living" hört man nur zu lediglich zwei Prozent die assoziationsreichen 80er-Jahre-8-Bit-Sounds der Spielwelt. Der Rest ist konsequentes Stil- und Rhythmus-Inferno - in der Regel sogar ein sehr ernst gemeintes. Dass es in dieser agilen Knüppel-Oper manchmal für eine Zehntelsekunde so klingt, als würden Songs von HIM, Deichkind und The Dillinger Escape Plan gleichzeitig laufen, darauf sollte man vorbereitet sein. Allen anderen eine gute Reise, wir sehen uns bestimmt nicht beim Recall.
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