Wolfmother
»Cosmic Egg«
[Universal / Universal / VÖ: 23.10.2009 ]
Text:
T.L. Renzsche
Für alle, die in die Windeln machten, als Black Sabbath noch Haare hatten, sind sie erneut die beste Option, um Hardrock nachzufühlen.
Die hohe Dichte an simplen Rockentwürfen, welche über die Jahrzehnte aus Australien zu uns kamen, macht durchaus Sinn: Das Land besteht nun mal zu 80 % aus Wüste, und im zivilisierten Bereich des Landes trifft man sich vornehmlich im von den Briten eingeführten Pub. Für die Bands heißt das, dass, bis sie eine gewisse Größe erreicht haben, der Pub ihr vornehmlicher Auftrittsort ist und, wenn sie nicht zum Teufel gejagt werden wollen, sie einen dem Ort angemessenen, einfach zu rezipierenden Sound auffahren sollten.
Auffällig war an Wolfmothers Coming-out im Rest der Welt insofern nur, dass sie ihr Debütalbum auf dem ansonsten eher für ultrahippen Sound stehenden Modular-Recordings-Label veröffentlichten. Für den heimischen Markt schien es ein smarter Move des Labels, neben all den jungen, frischen Acts, deren Erfolg aber nicht kalkulierbar war, auf einen zu setzen, der genau die lokale Marktnachfrage befriedigt. Dass das 2005 veröffentlichte, von Dave Sardy (of Barkmarket-Fame) produzierte "Wolfmother" aber weltweit eine derartige Erfolgsgeschichte schreiben würde - mit Abstand das bestverkaufendste Album aus dem Hause Modular (in Australien Top 3, in England und Amerika Top 20) -, das konnte keiner ahnen. Die Welle, die das alles auslöste, war wohl auch für die Band zu viel. Obwohl bereits seit 2000 zusammen, also durchaus mit Bedacht gewachsen, rieb sich das Trio während der zwei Jahre dauernden Touraktivitäten auf. Übrig blieb nur Sänger Andrew Stockdale, die beiden anderen Gründungsmitglieder Chris Ross und Myles Heskett stiegen aus und wurden durch drei Neuzugänge ersetzt.
Niederschreiben hätte ich das gar nicht müssen, denn ist man ganz ehrlich, merkt man "Cosmic Egg" von all dem herzlich wenig an: Stetig rocken Wolfmother ihr Ding runter, getragen von Stockdales störrischem Gesang. Noch immer schimmern an allen Ecken die 70er-Rock-Bands durch, als deren Epigone man die Band einzuordnen hat. Und so wenig gegen ein Feierabendbier im Pub einzuwenden ist, so wenig gibt es an Wolfmothers Sound auszusetzen - solange man ein gesundes Retrogefühl sucht. Oder anders gesagt: Für alle, die in die Windeln machten, als Black Sabbath noch Haare hatten, sind sie erneut die beste Option, um Hardrock nachzufühlen.
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