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The 39 Clocks

»Pain It Dark«

[Bureau B / Indigo / VÖ: 07.08.2009 ]

Text: Frank Apunkt Schneider

Das Beste an Punk und Wave war, dass sie zur pogoförmigen Affirmationsgymnastik stets auch ihre eigene Verweigerung hervorbrachten.

Wo sich die 60er noch extrem konzentrieren mussten, um sich so was wie Velvet Underground abzupressen, konnte zehn Jahre später die Negation an den entlegensten Pop-Unorten auflodern. Sogar in der Deutschrockklitsche Hannover (Home of Jane und Scorpions), wo 1979 plötzlich die 39 Clocks zwischen Bands wie Der Moderne Man und Hans-A-Plast auftauchten - als schroffste Antithese zur gerade erst auffächernden NDW.


Ihr "Psycho Beat" (Selbstetikettierung) gab die eben erst überwundenen Sixties zur Wiedervorlage, schwärzte aber deren Aufbruchstimmung, den ganzen Sunshine-Muff und Blumenkinderkram. Ihr zombieesker Gegenpsychedelic spielte die Deformation immer mit, war lichtscheu, verstockt, modrig und irgendwie um Längen kaputter als die illustren Fertigkeits-DarstellerInnen, die Punk an strategisch wichtigen Punkten deutscher Innenstädte aufgestellt hatte. Die undeutsche Coolness der 39 Clocks bestand in der extrem nach vorne gemischten Uncoolness, die den Punks keinerlei Identifikationskompromisse unterbreitete. Und die waren durchaus unamüsiert. Die zerknautschten und verkaterten Sixties-Riffs, die die Hannoveraner über das apathische Grummeln der Beatbox legten, zersägten die Nerven der Punks fachgerecht. Messerwürfe aus dem Publikum sind überliefert, weil sie sich dem neugewellten Deutsch verweigerten, das plötzlich alle sangen und das in seinen schlechten Momenten schon vor "deutscher Popidentität" troff. Stattdessen hyperventilierten sie finsterstes Krautenglisch, das eine leicht verwirrte Nico im Altersheim evozierte. Erst viel später haben Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs diese Mehrfachverfremdung (als deutsche Band bewusst fragwürdiges Englisch zu singen) wieder aufgegriffen. Um 1979 standen die 39 Clocks aber ziemlich verloren zwischen den wenigen vage ähnlichen Projekten herum, die die 60er durch die 80er denken wollten; Namedrops wie Flying Lizards, The Better Beatles, Suicide und natürlich Velvet Underground sind allenfalls verschwommene Näherungswerte für eine Verkapseltheit, in der die 39 Clocks so weit über ihre Zeit hinausgefallen sind, dass sie noch immer weit voraus klingen.

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