Caspian
»Tertia«
[Make My Day / Al!ve / VÖ: 07.08.2009 ]
Text:
Ulf Imwiehe
Fast schon naiv anmutende Schönheit, bei der Eleganz, Drama und Kitsch dicht beieinanderliegen. Zu dicht manchmal.
Immer nur autoaggressive Abfahrt und ironisch-defätistisches Reenactment von Welt und Dasein ist ja auf Dauer auch nix, will man gesund an Leib und Liebe bleiben. Da muss dann die große Geste her und der unzähmbare Wille, sich reinigen, ja, ertränken zu wollen, in Klang statt schaler Fanta mit Korn. Caspian aus Boston liefern die nötige Pflegeemulsion zu einem solch kathartischen Soundbad. Mit weihevollem Ernst evozieren sie in ihren rein instrumentalen Semi-Epen grüblerische Tiefe und Wehmut und lassen auch gerne mal breitbeinig die Gitarren lodern.
Ergänzt um einige tschirpend knispelnde Electronics und die obligaten an- und abschwellenden Dynamiken und Tempi, erinnert das Resultat sehr an die üblichen Verdächtigen wie 65daysofstatic oder Mogwai. Allerdings achten Caspian, bei allem Hang zum Pomp, immer darauf, sich nicht in Irrgärten aus möglichst verstiegenen Taktzerlegungen und strahligen Noise-Freak-outs zu verlieren. Im Gegensatz zu einem Großteil der Mitbewerber klingt ihre Musik stattdessen überwiegend konzentriert und nur selten überfrachtet. Allerdings erreichen sie dieses Streamlining durch den Einsatz von besonders vorhersehbaren Intervallen und mitunter etwas zuckrigen Melodiebögen. Das Resultat hat dadurch eine fast schon naiv anmutende Schönheit, bei der Eleganz, Drama und Kitsch dicht beieinanderliegen. Zu dicht manchmal.
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