Ja, Panik
»The Angst And The Money«
[Staatsakt / Rough Trade / VÖ: 25.09.2009 ]
Text:
Benjamin Walter
Auch wer manchmal nervt, hat trotzdem recht. Zum Beispiel Ja, Panik. "Ach, verdammt. Alles hin, alles Geld, alles Angst."
Die Egoperspektive des Plattenrezensenten ist dem Leser ja naturgemäß zuwider, aber es passte doch, dass ich beim Durchhören des dritten Albums der Wiener/Berliner Künstlergruppe Ja, Panik einen Schluckauf bekam. Schwer durchgeschüttelt war ich nach den elf Stücken von "The Angst And The Money" und genervt von der Theaterhaftigkeit und Zirkusatmosphäre in Andreas Spechtls Vortrag und doch begeistert von den scharfen Beobachtungen, musikalischen Wendungen und dem hämmernden Klavier einer lyrischen Beatband, die mir direkt ins Zwerchfell fuhr.
All das wird umrahmt von einer Moses-Schneider-Produktion, die sich buchstäblich gewaschen hat. So klar und dynamisch kann sich also eine gute Band anhören, wenn man sie so spielen lässt, wie sie eben klingt. Wie eine beschwipste Schnöselgang mit 20 Ideen pro Song. Doch alle Brüche, Tempowechsel, Reduzierungen und Ausbrüche verdecken nicht, dass Ja, Panik Hits schreiben können. Die Single "Alles hin, hin, hin" mit der programmatischen Punchline "Ach, verdammt. Alles hin, alles Geld, alles Angst" funktioniert dann auch für jene, die sich nur bedingt auf Spechtls Zeichen- und Storygeflechte einlassen wollen oder können. Aber einer Band vorzuwerfen, dass sie Aufmerksamkeit in den Texten erfordert, wäre ja der Gipfel der Dummheit, denn diese so beiläufige wie aggressive Dekonstruktion von beinahe allem ist es wert, genau gehört zu werden. Und wer sich bei all dem manierierten Gejauchze manchmal schüttelt, den hat es trotzdem berührt.
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