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Karpatenhund

»Der Name dieser Band ist Karpatenhund«

[Wanderlust / BMG / Rough Trade / VÖ: 28.08.2009 ]

Text: Thomas Venker

 

It's Dog-Time in heaven - aus Bubblegum-Pop wird ein Zungenkuss am Abgrund.

 Lassen wir mal diesen ganzen Referenzkosmos, den Karpatenhund auf ihrem zweiten Album aufmachen - zumeist sehr offensichtlich und genau deswegen sehr gut, da eben nicht mit so einem Besserwisserduktus, manchmal dann aber doch zu abgenutzt (wie im Fall des wirklich nicht mehr bringbaren Leonard-Cohen-"First We Take Manhattan"-Zitats) -, außen vor. Beginnen wir stattdessen gleich mit den Themen, derer sich Karpatenhund angenommen haben.


Da geht es um die Orientierungslosigkeit einer Generation, der es irgendwie schwindelig wird in einer Welt der Unsicherheiten, passenderweise auch um die Unwägbarkeiten der privaten Beziehungswelt. Und als ob das des Troubles nicht genug wäre, wird auch noch die eigene Bedeutungslosigkeit seziert - beschwingt von einer New-Order'schen Leichtigkeit in "Plastic Soul", einem der besten Stücke des Albums, welches das Problem mit dem Sein ganz schön lakonisch auf den Punkt bringt: "Es ist nicht einfach zu verstehen, dass Erde und Sonne sich auch ohne mich noch drehen, aber ich fürchte, genau das haben sie vor."

Überhaupt fließt so einiges auf "Der Name dieser Band ist Karpatenhund" gut getextet über ebenso komponierte Melodien. Natürlich tut hier der eingangs erwähnte Referenzkosmos sein Übriges, aber feiern wir es bei Literaten nicht immer ab, wenn sie ihren Stil ordentlich haben ausreifen lassen, bevor sie uns mit einem Buch aufsuchen? Und sind wir uns nicht alle einig, dass verwackelnde Kameras zumeist ganz schön scheiße sind? Da hilft auch kein noch so großer Kunstanspruch, insofern feiern wir hier doch auch mal die Handwerklichkeit der Künstler ab. Also: schöne Songs, gespeist von der Indie-Sozialisation der Beteiligten, aber auch der Handlungsmaxime, der Schmissigkeit im Zweifelsfall immer den Vorzug zu geben. Fair enough, immer gut, wenn man weiß, wofür man auf den Rasen geht.

 Sehr oft wird in den Songs auf Melodramatik und großes Gefühl gesetzt, die Stimmung den oben angetriggerten Themen angepasst. Aber, und nun komme ich dann doch zu meiner Kritik: Leider geht der Gesang da nicht immer mit, der klingt mir dann doch zu oft genau so, wie man sich deutsche Popmusik der leichten Gangart vorstellt. Zu lieblich, zu weichgezeichnet, zu wenig auf das, was im Song gefühlsmäßig aufgemacht wird, eingehend. Wie heißt es in "Boden" so treffend: "Es ist der Boden, der sich bewegt, nicht ich. Das ist mein Kopf, der redet, nicht ich. Ich glaube, ich wurde heimlich in meine Bauteile zerlegt und falsch wieder zusammengebaut. Denn plötzlich ist ein Loch in mir, und wenn ich rede, kommt nahezu nur Unsinn aus mir raus."

 Nun ist es eine Gemeinheit, jemanden auf die eigenen Worte festzunageln, das mögen Politiker genauso wenig wie Künstler oder Journalisten - aber das heißt nicht, dass man es nicht tun sollte, ja muss, denn meistens hängt ihnen doch - und so soll es ja auch sein - jede Menge Intention und Bedeutung an. Das Problem hier ist nicht das "Loch" und auch nicht der "Unsinn", das ist menschlich, allzu menschlich, wie Nietzsche sagen würde. Das Problem sind die "Bauteile". So entfremdet wie das Wort ist oft auch der Klang der Gesangsstimme. Insofern ist "Der Name dieser Band ist Karpatenhund" als Zwischenschritt zu sehen. Viel hat sich seit dem Debüt bewegt, eine weit interessantere Richtung wurde eingeschlagen, nun gilt es, den letzten Schritt zu gehen und auch mit dem Gesang mehr Mut zum passenden Gefühl zu wagen und etwas weniger auf das Konventionelle zu setzen. Hier kann noch einiges gehen, wenn die Stimmen so ehrlich sprechen wie die Gedanken. Es ist an der Zeit, auch den letzten Schutz fallen zu lassen. Was soll schon schiefgehen? Letztlich gilt doch, dass Erde und Sonne sich auch ohne uns noch drehen.

 

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