Wye Oak
»The Knot«
[Affairs Of The Heart / Indigo]
Text:
Christian Steinbrink
Jahrelang spielten Jenn Wasner und Andy Stack in Bands mit gewöhnlichen Mannschaftsstärken, mal gemeinsam, mal jeder für sich. Jetzt haben sie endlich geheiratet, respektive sind zumindest das Duo geworden, das sie schon immer hätten sein sollen ...
Aus Baltimore zogen Wasner und Stack weg, verloren sich aus den Augen, kehrten zurück und trafen sich wieder. Und nach lehrreichen Wanderjahren kamen sie auf die Idee, zu schauen, wie weit man denn als Band in bloßer Duobesetzung komme. Resultate stellten sich in ihrem Fall schnell ein: Sie kamen so weiter als mit jeder Band zuvor. Merge Records zeigte Interesse, veröffentlichte das Albumdebüt wieder und zeichnet jetzt auch für den Nachfolger "The Knot" verantwortlich. Die Beweggründe dafür sind nicht schwer zu verstehen, denn auch wenn die Platte - wie Wye Oaks Musik überhaupt - nur schwer zu durchdringen ist, übt sie doch einen kaum überhörbaren Reiz aus.
Es ist eine fast schon surreale Mischung aus Country-Traditionen, Indierock und Dreampop, der Wasners wie verschwommen wirkendem und hin und wieder an Kim Deal erinnerndem Gesang einen endgültigen Charme von Unnahbarkeit aufsetzt. Das klingt so sehr nach Yo La Tengo oder Mazzy Star, dass es fast schon enttäuschend erscheinen muss, wenn man live nur zwei Personen mit Instrumentenparks vor Füßen und Bauch zu sehen bekommt. Aber was die beiden aufzufahren wissen, muss zwangsläufig überzeugen, so unbestimmt und frei, aber auch bildhaft und romantisch wirken die zehn Songs. Sicher ist das nichts davon, was derzeit an zackigem No Wave mit Baltimore assoziiert wird. Aber ohne Zweifel sind sie ein gewichtiger Grund für die kreative Potenz, die der Stadt gegenwärtig allerorten nachgesagt wird.
Wann und wo startete Wye Oak?
Jenn: Andy und ich spielten schon in der Highschool in einer Band. Wir waren da 15 oder 16. Wir spielten damals in einer größeren Band, die sich auflöste, als alle auf verschiedene Colleges gingen. Wir trafen uns dann wieder und wollten noch mal eine Band gründen, kannten aber keine geeigneten Musiker. So blieben wir zu zweit und versuchen seitdem, uns an die Grenzen einer Duobesetzung heranzubewegen.
In den USA seid ihr auf Merge. Was für eine Bedeutung hat das Label für euch?
Wir werden fünf Tage auf dem Festival zum 20. Geburtstag des Labels in North Carolina verbringen und freuen uns sehr darauf. Wir sind sehr glücklich mit Merge. Sie sind nicht nur sehr gut in ihrem Job, sie sind auch noch nette Leute, die ihren Job aus dem richtigen Antrieb heraus tun. Wir würden uns etwas vormachen, wenn wir denken würden, wir wären auch nur annähernd so weit, wenn wir sie nicht hätten.
Gegenwärtig reden viele Leute über die besondere Kreativität der Szene von Baltimore. Nehmt ihr dieses zunehmende Interesse wahr? Und wie würdet ihr die Szene beschreiben?
Was über die Szene von Baltimore gesagt wird, ist schon wahr. Ich bin immer wieder beeindruckt und inspiriert von den Arbeiten, die ich sehe, wenn ich ausgehe. Viele der Künstler sind enge Freunde von uns. Wir spielen dort viele Shows, haben aber nie das Gefühl bekommen, niemand Neues mehr zu erreichen. Aber unabhängig vom Grad der Aufmerksamkeit habe ich nie das Gefühl bekommen, jemand täte irgendwas aus einem anderen Grund als reiner Passion, etwas zu erschaffen, um es mit Freunden zu teilen. In dieser Hinsicht ist Baltimore ein sehr authentischer Ort.
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