Sally Shapiro
»My Guilty Pleasure«
[Permanent Vacation / Groove Attack]
Text:
arno raffeiner
80er-Käsigkeit ist hier oberstes Ziel, und die wird unglaublich konsequent umgesetzt.
Man darf sich Sally Shapiro als kleines Mädchen vorstellen. Als glückliches kleines Mädchen. Wann immer es geht, erzählt sie von ihrer großen Liebe: von Sandra. Derzeit darf sie ganz oft davon erzählen, weil die Sängerin von "Maria Magdalena" immer noch ihr Idol ist, und sie selbst darf jetzt, als Erwachsene, endlich auch ein bisschen Sandra sein.
Für Shapiro ist Musik ein Kindheitszaubermärchen, immer in kuschelig eingerollter Embryonalstellung dargebracht. Dass sie und Produzent Johan Agebjörn aus Schweden haarscharf an der Grenze zum Kitsch vorbeischrammen, wie der Beipackzettel weismachen will, stimmt natürlich nicht. Denn 80er-Käsigkeit ist hier oberstes Ziel, und die wird unglaublich konsequent umgesetzt. Böse Regression also, man kann Shapiro dafür hassen. Oder sie genau deshalb lieben. Das läuft meist auf die Frage hinaus, ob man ihre goldigen Erinnerungen teilt. Allen Nachgeborenen muss sie ziemlich aus der Welt gefallen vorkommen und genauso peinlich, wie wenn die Eltern plötzlich selig berührt vom Schleichertanz in der Dorfdisco oder von der verflossenen Liebe des letzten Sommers schwärmen.
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