Jan Delay
»Spalter: "Wir Kinder vom Bahnhof Soul", Pro & Contra«
Text:
Felix Scharlau,
Uwe Buschmann
[55 Kommentare]
Jan Delay ist mittlerweile dort angekommen, wo ihn manche sicher nie hingewünscht haben. Ganz dick im Bewusstsein vom bemüht souligen Schröder-Deutschland. Ein sympathischer Guru für alle und jeden. Der Schweinsteiger des Pop. Was soll's?
PRO
Jedes neue Album kündigt Jan Delay mit den Worten an, ihm sei die geilste Platte aller Zeiten gelungen. Auch "Wir Kinder vom Bahnhof Soul" bekommt dieses Signum, und anschließend entschuldigt er sich dann noch für die nun folgenden "Störungen" auf der Promo-CD, aber die Millionen Einnahmen für die Platte wolle er nicht den Internet-Raubkopierern, Limewire oder sonst wem überlassen.
Genau diese Art Humor macht Jan Delay als Person und seine Musik unwiderstehlich. Fängt schon bei dem jeweiligen Albumtitel an. Nach Kevin Rowland ("Searching For The Jan Soul Rebels") und der Automarken-Anleihe ("Mercedes Dance") wird sich diesmal bei der, na, Weltliteratur bedient. Auf dem Album findet sich handgespielter Disco-Sound à la Chic aus Zeiten, als der DJ noch dein komisches Leben rettete. Oder à la früher Prince. Oder Zapp. Oder Curtis Mayfield. Oder The Temptations. Jan Delay rollt sich wieder ab durch die funky Musikgeschichte. Ohne Moos, und immer geht's wieder los. Das ganze Zeug haben wir damals schon gehört, aber bei Jan Delay klingt es wieder modern.
Die Melodien sind diesmal spärlicher, der Groove noch deeper, und die Texte gehen unter die Oberfläche. Die Stärke liegt in der Homogenität der gesamten Platte. Da wird die Lust am Konzert-Stomper genauso spürbar wie am Song, den man still sitzend zu Hause dreimal hören muss. Manches Hartz-IV-Apartment ist ja zu klein für eine Party, auch wenn "RTL Explosiv" und die Bild-Zeitung gerne das Gegenteil behaupten. Und die Schampusration bei der Tafel in Hamburg, Berlin oder Köln ist auch meist früh weg. "Wir Kinder vom Bahnhof Soul" funktioniert daher nicht nur im Club oder auf der Live-Bühne, sondern überall. Anarchie & Alltag.
Uwe Buschmann
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erden_kurzschliessen 15.07.2009 | 10:56:05
Die Meinung von Scharlau ist irgendwie geiler...
hatebag 15.07.2009 | 14:25:50
You're welcome
In der Thread und Foren-übersicht sieht es jetzt so aus, als wäre der Titel des Albums "Spalter". Derbe.
snorej 15.07.2009 | 17:43:33
die negativ bewertung hätte ruhig noch negativer ausfallen können.
Daniel Decker 23.07.2009 | 13:27:54
Ich finde ja, dass man der Single "Oh Jonny" vorwerfen könnte, dass Jan Delay Tierquälerei mit Internetpiraterie gleichsetzt:
"Ey geh ins Netz, saug dieses Lied
Von mir aus saug alle Songs, die es gibt
[...]
Geh los und verkauf Crack, Mann
Quäl Tiere und schau Beckmann"
Das ist nun sicher mit einem Augenzwinkern, aber unwiderstehlicher Humor geht anders.
Bei Jan Soul Rebels dachte ich kurz, dass das alles pfiffiger sei als bloße Wortspielattitüde.
IainForrester 23.07.2009 | 13:36:38
Meister
ha, geil der reim von Mann auf Beckmann, sehr... wow...
Daniel Decker 23.07.2009 | 19:19:31
Nee, das ist ja so eher HipHop Doppelreim - Ein Moppel sein.
cronkite 05.08.2009 | 21:17:15
scheint kein album für dogmatiker zu sein. ich freu mich schon mal drauf. vorabsingle ist jedenfalls geil, tanzbar.
Editiert von
cronkite am 05.08.2009 21:31:52
linus volkmann 15.08.2009 | 05:54:32
während du schliefst
heute gab es ja den video-tag von jan auf mtv. soviele zop dinger. "fäule" hatte ich ganz vergessen. aber bei "ich möchte nicht, dass ihr meine lieder singt", hieß es noch, dass er seine kunst nicht im kopf von leuten haben will, deren gedanken, parallel axel springer auf dem schirm haben. funktioniert das denn noch, wenn er auch das jingle zu der sendung "mein revier" liefert?
snorej 15.08.2009 | 09:46:08
da funktioniert gar nichts mehr.
man könnte mittlerweile seine eigenen raps gegen ihn verwenden.
"da wird nie was gehn, man wird auch nicht michale jordan in fila sehn".
allein schon das interview im me ist total banane. und der bericht in der fr heute auch.
snorej 15.08.2009 | 10:27:04
"michael" meinte ich natürlich.
Marin 15.08.2009 | 10:35:59
heftig beworben, nichtsdestotrotz super unterhaltungsalbum mit tollen texten. löst hier im puff die erwartbaren kniesehnenreflexe aus. die scharlau-besprechung ist so ätschibätschilullibutschi, die scheibe rotiert bei ihm natürlich heimlich auf dem klo. das [15.07.2009 | 10:56:05] post ist noch lustiger. kocht halt vegan und hört die zillo-charts.
Editiert von
Marin am 15.08.2009 10:37:09
Editiert von
Marin am 15.08.2009 10:39:33
snorej 15.08.2009 | 10:53:17
ne ne , nix mit bordelle!
die platte ist ganz klar käse. sie ist belanglos nicht sagend und eißfeldt sollte mal sein gehirn durchpusten lassen.
den charme der das letzte album noch durch den plastik sound hatte der ist komplett weg. bei den texten döse ich weg, bei seinen statements ist ein beklemmender fremdschämfaktor vorhanden.
snorej 15.08.2009 | 19:48:39
scheisse, hätten wir uns heut morgen hier nicht so gestritten.
labr 17.08.2009 | 19:56:13
obey!
funktioniert das denn noch, wenn er auch das jingle zu der sendung "mein revier" liefert?t
Funktioniert das (Schweine)System Sascha Lobo, obwohl er seinen Arsch an den "Kommunikationsanbieter" verkauft hat, der lieber heute als morgen Frau von der Leyen ein familientaugliches Disney-Internet zurecht zensieren würde? Obwohl oder gerade weil...?
Editiert von
labr am 17.08.2009 19:57:12
ösel 17.08.2009 | 23:02:06
Polterkowski & Söhne
Gestern nochmal die Atarihuana rausgekramt. Da tut der heutige Herr Delay fünffach weh.
snorej 18.08.2009 | 07:30:38
er könnte sich auch umbenennen in "florian silversurfer".
Legoland 18.08.2009 | 08:58:43
Legolize it!
ich versteh ja nicht, warum da die astra- stuben drauf sind. da hat der doch die letzten 20 jahre nicht mehr gespielt.
Legoland 18.08.2009 | 09:00:08
Legolize it!
es gab übrigens mal eine hamburger band, die hieß "jonny" (mit ex-blumfeld eike bohlen), die hab ich genau dort, in den astra stuben vor gut 10 jahren gesehen. crazy.
Silberrücken 18.08.2009 | 09:31:10
Dank für dieses überfällige Contra, Felix!
Das Eisfeld/Delay beim Texten thematisch schwer limitiert ist (Selbstreferentiell + Möchtegern-Sponti-Phrasen), hat mich schon bei AB derbe genervt. Dazu diese Mucker-Attitüde, die nur noch Stefan Raab schlimmer beherrscht.
Silberrücken 18.08.2009 | 09:40:54
zum Teil erinnert mich Oh Jonny übrigens an Ricky Martin - Livin La Vida Loca :-D
(okay, auch noch an Gnarls Barkley).
hatebag 18.08.2009 | 10:52:19
You're welcomefunktioniert das denn noch, wenn er auch das jingle zu der sendung "mein revier" liefert?t
Funktioniert das (Schweine)System Sascha Lobo, obwohl er seinen Arsch an den "Kommunikationsanbieter" verkauft hat, der lieber heute als morgen Frau von der Leyen ein familientaugliches Disney-Internet zurecht zensieren würde? Obwohl oder gerade weil...?
Natürlich funktioniert das. Sieht man doch z.B. auch an INTRO (s kritischen Autoren)!
black sheep beuys 18.08.2009 | 12:41:32
Heart's fear
"Manches Hartz-IV-Apartment ist ja zu klein für eine Party, auch wenn "RTL Explosiv" und die Bild-Zeitung gerne das Gegenteil behaupten. Und die Schampusration bei der Tafel in Hamburg, Berlin oder Köln ist auch meist früh weg. "Wir Kinder vom Bahnhof Soul" funktioniert daher nicht nur im Club oder auf der Live-Bühne, sondern überall. Anarchie & Alltag."
Warum "daher"? Ich verstehe den Zusammenhang zwischen diesen drei Sätzen nicht. Liegt es an mir oder am überforderten Intro-Schreiber?
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