Amanda Blank
»I Love You«
Text:
Thomas Venker
[11 Kommentare]
Es sollte sich mal ein Kulturkritiker daransetzen, ein Buch über den Zusammenhang von kreativen Szenen und dem Gewaltindex ihrer Städte zu schreiben. Die Vermutung liegt nahe, dass mit der zunehmenden Abgefucktheit einer Stadt gleichzeitig auch ihr kultureller Output spannender wird.
Zumindest für Philadelphia und Baltimore kann diese Behauptung schon als falsifiziert betrachtet werden, denn die diesen extrem gefährlichen Städten mit sehr hohen Mordraten entstammenden Künstler wie Spank Rock, Diplo, Switch, Santigold und auch Amanda Blank haben zuletzt die neue amerikanische Dance-Rap-Szene dominiert.
Blank, als Amanda Mallory in Philly geboren, greift für ihr Debüt nun auf all diese Talente aus ihrem Freundeskreis zurück und zeigt nicht zuletzt deswegen echtes Starpotenzial.
Gleich mit der ersten Single "Might Like You Better" fällt sie ins Haus beziehungsweise holt uns in selbiges. Blank ist keine Frau der dezenten Gesten, das zeigten bestens auch die Bilder zur letztmonatigen Geschichte von Arno Raffeiner. Ihre Worte kommen schnell und direkt, unterfüttert und durchdacht - und so hat man ihr eben zu folgen. Partnerinnen im Geiste sind Rap-Aushängeschilder wie Lil' Kim und Foxy Brown, allerdings, ohne deren sexuelle Explizität im gleichen Maße optisch zu verfolgen. Etwas mehr Undercover darf es dann schon sein, schließlich will Blank bei aller Frechheit vor allem für ihre Songs wahrgenommen werden - und die haben in ihrer Multi-Genre-Gespeistheit auch mehr zu bieten als der bloße Rap der Kolleginnen.
Entstand bei den Liveauftritten der letzten beiden Jahre, die sie oft an der Seite von ähnlich ausgerichteten Künstlerinnen wie Kid Sister, Lady Sovereign oder Mapei absolvierte, der Eindruck, sie könne mit deren coolem Flow nicht ganz mithalten, sie sei - im Gegensatz zu diesen frechen Dingern - eher die Schickse, so zeigt "I Love You" deutlich, dass der Rezensent einem großen Missverständnis erlag: Alles genau so gewollt: Sie will die Tussi sein. Genau genommen denkt man aber über solche Inszenierungsaspekte, kaum läuft das Album, keine Sekunde mehr nach. Zu sehr ist man damit beschäftigt, den Beats hinterherzurennen, die sich wie wild drehen, bratzen und funkeln.
Und auch Pop-Referenzen werden uns um die Ohren gejagt, mal in Form einer Coverversion (des einst von Prince produzierten Vanity-6-Songs "Make Up"), mal als kurzer Cameo-Splitter (z. B. LL Cool Js "I Need Love") oder eben durch Selbstzitate der beteiligten anderen Musiker. "I Love You" dürfte bald als Klassiker gelten.
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Kommentare
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Intro 13.07.2009 | 17:09:00
"I Love You" dürfte bald als Klassiker gelten...
mpjjj 27.07.2009 | 17:21:19
den titel A Love Song (feat. Santigold) kann man bei tonspion kostenlos und legal runterladen!
pop_b_sessen 29.07.2009 | 09:56:13
Switch ist Engländer.
qwert_zuiopü 31.07.2009 | 09:19:05
Ich glaub ich find's doch etwas schade, dass ich die kürzlich bei einem Festival verpasst habe...
rockotron 05.08.2009 | 23:18:15
lackaffe
ich muss sagen, ich bin enttäuscht. erstmals empfinde ich eine platte aus "dem umfeld" als einen aufguss. nach "a love song", der ja auf dem top ranking mix noch als "i'm a lady (diplo mix feat. amanda blank)" angekündigt war, hatte ich mich auf ein album gefreut, doch das vorab zu findende, mässige "might like you better" hatte einen schwachen eindruck hinterlassen, den das album jetzt bestätigt: die poppigen momente sind (mir) nicht eingängig genug, die rougheren tracks bouncen zu wenig. am besten gefällt mir noch das spank rock feature, dessen strophe mit abstand das beste auf der platte ist.
ich freue mich jetzt lieber auf das "chinese democracy" aus chitown, namentlich das vielfach verschobene debüt von kid sister. da haben mir die stilistisch vergleichbaren vorabtracks allesamt gefallen.
mackepeter 06.08.2009 | 10:04:56
tolle sache, diese vorveröffentlichungsstreams! dank dem kann ich das album wieder von der einkaufsliste streichen, nachdem's die vielen jubelrezensionen dort hinein befördert hatten.
Sarah Jones als partnerin im geiste hätte der platte vermutlich besser zu gesicht gestanden.
Albert_Brettermeier 06.08.2009 | 10:30:59
generation brettermeier
Ich finds ziemlich gewöhnlich und konzeptlos.
Gandalf 13.08.2009 | 10:52:37
Graue Eminenz
"Lady Gaga minus the tunes, ambition, or sense of purpose." [Joshua Love -pitchfork]
Brundlefly 18.08.2009 | 13:12:55
Mäuse sind Glitch
Lady Gaga mit mehr Attitüde, kräftigerem Sound und besseren Skills trifft es wohl besser.
ösel 18.08.2009 | 17:03:09
Polterkowski & Söhne
Schrecklich überproduziert, das. Soviel geile Technik-Abwichserei, dass Frau Blank glatt vor der Tür stehen gelassen wurde.






