Diverse
»Alle gegen alle - A Tribute To Slime«
[Sunny Bastards / Broken Silence]
Text:
linus volkmann
Deutschpunk hat niemals wirklich Machtverhältnisse umgedreht - nur den Bier-, Badge- und Selbstgefälligkeits-Absatz gesteigert.
Jetzt aber! Wenn nicht Slime, wer dann - wie wir Handballer immer singen. Vorangegangen war bei Sunny Bastards der Tribut zur Obersten Heeresleitung, OHL. Jener verhieß (bis auf zwei Ausnahmen) für weitere Ehrerbietungen allerdings nur humorfernes entbehrliches Geknüppel. Und davon, so ehrlich muss man sein, findet sich auch so einiges auf dieser Doppel-CD hier.
Dankenswerterweise ist aber auch sonst noch einiges los. Viele der Stücke besitzen einen Twist, eine Idee, eine Brechung oder was es halt so braucht, um einem Cover seine Berechtigung zu verleihen (oder man macht was ganz Eigenes wie Die Rockformation Diskokugel und "Hey Lutz, wir fahren zu Slime"). Die beiden sehr unterschiedlichen Versionen des frühen Slime-Stücks "Disco" (von I Defy und in der Techno-Buckelpiste von The Band From A Future) kann man auf jeder Punkerparty auflegen - selbst wenn alle Punks schon weg sind. Bockt trotzdem voll hundert. Oder natürlich die aus dem Schließmuskel-Umfeld kommende Travestie-Nummer von Herr Schwers, die "Deutschland muss sterben" erst mal zu "Another Stein For The Bullenschwein" macht und den Refrain dann noch auf die Melodie von Pink Floyds "Another Brick In The Wall" ablaufen lässt. Ebenfalls Knaller: Kumpelbasis (mit Ex-Vorkriegsjugend-Beteiligten) und dem Song "Albtraum". Aber auch Die Toten Hosen geben dem expressionistischen Spätling "Viva La Muerte" tatsächlich ein Level-up. Muss man streng genommen echt haben diese Platte.
PS: Aber als Runterbringer zum Schluss noch das hier: Wer tatsächlich denkt, man feiere mit Slime nicht nur eine Band, sondern auch ein besseres Leben(sgefühl), das freier und emanzipatorischer gelebt wurde und wird, der soll sich das Zahlenspiel der Bands mal vor Augen führen. 54 Acts, damit ungefähr 200 Beteiligte. Davon sind, das Booklet bringt es an den Tag, acht Frauen. Sonst nur Typen. Nur Typen. Deutschpunk hat niemals wirklich Machtverhältnisse umgedreht. Nur den Bier-, Badge- und Selbstgefälligkeits-Absatz gesteigert.
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