Diverse
»Horse Meat Disco«
[Strut / !K7 / Rough Trade]
Text:
arno raffeiner
[1 Kommentar]
Schnell den Schweiß aus den Brusthaaren gekämmt, die Polizeimütze weiter in den Nacken geschoben und wieder rein, in die Horse Meat Disco!
Eine der großen Erzählungen von Popmusik handelt seit jeher davon, sich an einem anderen Ort und in einer anderen Zeit zu befinden, ja, selbst eine völlig andere Person zu sein. Gut ist die Musik immer dann, wenn sie für einige Momente die Illusion wahr macht, diesen Sehnsuchtsort tatsächlich erreicht zu haben. Deswegen kann man beispielsweise einer auf dem Papier etwas altbacken konzipierten Veranstaltung, bei der per Definition nichts nach dem Jahr 1985 in die Tüte kommt, auch nicht absprechen, trotzdem aktuelle Relevanz und Dringlichkeit zu besitzen.
"Horse Meat Disco" ist eine solche Veranstaltung. Die Plattensammler James Hillard, Jim Stanton, Severino und Luke Howard schmeißen unter diesem Namen in London eine sonntägliche Partyreihe und lassen bei besonderen Gastauftritten schon mal eine ganze New Yorker Straßenszenerie nachbauen, damit man für Momente komplett eintauchen kann ins Sehnsuchtsland der großen queeren Disco-Kultur. Auf der ersten "HMD"-Compilation gibt es daher auch null Überraschungen zu hören. Dafür aber nur feinsten und relevantesten Disco-Kitsch.
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