Julie Doiron
»I Can Wonder What You Did With Your Day«
[JagJaguwar / Cargo]
Text:
Benjamin Walter
Was ich an Künstlern so wunderlich wie faszinierend finde, ist dieses zwanghafte Immer-Weitermachen. Sonst zu nix zu gebrauchen, diese Typen, alle tauchen immer wieder auf, und Julie Doiron von der kanadischen Indielegende Eric's Trip war sogar nie weg.
Trotz bescheidenem Erfolg veröffentlichte sie Album um Album, mal als Solokünstlerin, mal mit den unterschiedlichsten Formationen. Und auch ihr neues Werk mit dem so wunderbaren Titel "I Can Wonder What You Did With Your Day" wird ihre solide, aber eben Undergroundkarriere nicht auf eine neue Stufe bringen, viel zu unaufgeregt, fast bescheiden und sehr auf die persönlichen, tagebuchartigen Texte fokussiert ist die Platte, um in der sensationslüsternen Musikwelt als Sensation abgefeiert zu werden.
Dass dabei der musikalische Ansatz, dem Indie und Grunge der alten Schule entlehnt, aber extrem reduziert umgesetzt, für heutige Verhältnisse geradezu revolutionär ist, wird übersehen werden. Julie Doirons Musik ist weder tanzbar noch orchestral aufgeblasen, betont rumpelig oder überemotional, es sind nur ganz einfache, liebevolle Songs, die völlig auf das Zusammenspiel von Schlagzeug, Gitarre und Bass vertrauen, wohligen Sub-Pop-Geist verströmen und zeigen, dass am Ende mancher Tage der warme Klang einer angezerrten Gitarre über alle vermeintlichen Indiehits der Welt siegen kann. Bitte weitermachen, scheint ja hoffentlich nicht allzu schwerzufallen.
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