Múm
»Sing Along To Songs You Don't Know«
[Morr Music / Indigo]
Text:
Lutz Happel
Múm sind erwachsen und zu einer richtigen Band geworden - das ist schön anzuhören, aber auch ein bisschen schade.
Vor zehn Jahren tauchten auf dem Indie-Radar im Großraum Reykjavík eine ganze Reihe Bands von Sigur Rós bis GusGus auf, die sich im Laufe von nur wenigen Jahren zu einem isländischen Markenzeichen aus Experimentierfreudigkeit, Kollektivität und musikalischer Offenheit verdichteten.
In der Journaille hagelte es daraufhin Verweise auf Naturmystik, heidnischen Elfengesang, nordisches Neohippietum und ähnliche Allgemeinplätze. Múm mit ihren unberechenbaren analog-digitalen Versuchsanordnungen zwischen Song und Experiment schienen sich stets alle Entwicklungsmöglichkeiten offenzuhalten. Das hat sich mit der Zeit ein wenig verändert. Die beiden Valtýsdóttir-Schwestern sind mittlerweile ausgestiegen, der von vielen geliebte, mitunter auch gehasste sogenannte Elfengesang ist damit verschwunden, und was vormals noch ausufernd instrumental und verspielt war, steckt nun größtenteils in einem Korsett namens Songstruktur, mit ein bisschen Luft für allerlei Zerstreuungen hier und da. Múm sind erwachsen und zu einer richtigen Band geworden. Das ist schön anzuhören, aber auch ein bisschen schade.
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