RotFront
»Emigrantski Raggamuffin«
Text:
Mark Swatek-Evenstein
Berlin - ein mythischer Ort. Viel weiter östlich, als man sich das in West-Deutschland je träumen ließ. Das ist die Rache der 90er:
Es fließen Bier und Wodka in Strömen, und selbst die Goyim tanzen zu den Lobgesängen auf Rebbe Nachman. Englisch wird mit russischem Akzent gesprochen, notfalls muss man auch mit Ungarisch klarkommen. Und das geht. Irgendwie. Weil Berlin nicht nur Anziehungspunkt, sondern auch Quelle der Inspiration ist und bleibt.
Das Leben in Berlin stellt bei RotFront gelebte Politik dar, ist Versuch, die Stadt und ihre Geschichte zu begreifen und daran teilzuhaben - in a Gastarbeiter-Style. Das klingt dann nach irgendwas zwischen Clash, Klezmer und Karneval, was - jedenfalls von Köln aus gesehen - gar nicht das Verbrechen ist, an das man in Berlin denken könnte. Die RotFront'sche Aufforderung zum Tanz ist denn auch eher zeitlos als zeitgemäß, ist Party, aber nicht peinlich. Wer Wert auf den ideologischen Über- oder Unterbau legt, ist hier fehl am Platz, der Rest lässt sich begeistert mitreißen.
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