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»Spalter: "Relapse", Pro & Contra«

Text: Martin Büsser, Martin Riemann
[6 Kommentare]

Eminem startete einst als Provo-Nilpferd, brachte Rap auf den Index und hoch in die Charts. Danach wurde er selbst Ikone des Biz, verwaltete, stürzte sich zum Schluss selbst - und taucht nun nach vier Jahren wieder auf und veralbert Michael Jackson und Sarah Palin. Geht da noch was?

PRO
Willkommen in der Battle-Abteilung dieses Magazins. Heutiges Thema ist nicht "Die totale Abgrenzung und Homophobie", wie mein Kollege nebenan scheinbar denkt, Thema sind die USA, ein Land, das immer ein Herz für bösartige Psychopathen haben wird. Meistens sind diese Typen wahnsinnig intelligent, irre geschickt und strikt auf Kehle abgerichtet. Ihr Credo: Du kannst die Bekloppten nur besiegen, indem du noch kränker bist als sie. Hier kommt Eminem ins Spiel. Wer ihn jemals in der direkten Konfrontation sah, weiß, dass er mit Wörtern töten möchte.


Der Hass sitzt ihm auf der Zunge und hackt gezielt auf den Gegner ein, bis dieser in eine trostlose Zukunft wegwankt. Den Rest erledigt Slim Shady, d. h., "Relapse" ist nicht witzig gemeint, auch wenn Dres solide Produktion die meiste Zeit klingt, als käme die Kirmes in die Stadt. Die kommt zwar wirklich, aber die jungen Männer, die mitreisen, wollen einem wehtun: Massenmord, Hate Speech, Drogenmissbrauch und die gute alte Schiffsschaukel Verachtung inklusive einer Extrarunde Selbsthass.



Eminems Raps fügen sich damit wunderbar in die - immer schon von Verzweiflung und Gewalt geprägte - amerikanische Volksmusik ein. Zumal der holzschnittartige HipHop eines Dr. Dre mittlerweile genauso zur Folklore gehört wie Charlie Poole & The North Carolina Ramblers. Es ist beachtlich, wie unnachahmlich Eminem mit seinen Schizo-Gospels die Dämonen eines Landes einfängt, das sich nur im permanenten Kriegszustand sicher fühlt. Insofern findet "Relapse" klar zur Hauptqualität der Slim-Shady/Marshall-Mathers-Alben zurück: zum atemlosen Storytelling des Underdogs. Und es ist ihm glücklicherweise immer noch egal, dass einige niemals kapieren werden, was das Wort "Story" eigentlich bedeutet.
Martin Riemann

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aus Intro #173 (Juli 2009)
 
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  • User: puneh
  • puneh 01.07.2009 | 15:44:33

    EMINEM IST ZURÜCKwen interessiert's?

  • User: nanker
  • nanker 01.07.2009 | 15:53:30

    ah ja, mich schon ein bisschen. hab die platte aber noch nicht gehört, die auf mtv rotierende single war eher nich so...

  • User: 4getevery1
  • 4getevery1 02.07.2009 | 08:58:39

    ich find die echt ok. unterhaltsam und nicht schlechter als manches frühere werk. nicht neu, aber wer erwartet neu von eminem.

  • User: puneh
  • puneh 03.07.2009 | 13:09:39

    ich finde sie langweilig,eintönig.. war nicht nötig meiner meinung nach. seine alten sachen sind eindeutig besser!

  • User: afromme
  • afromme 09.07.2009 | 23:07:13

    Vorweg - ich find die Platte öde. Derselbe mittlerweile zum Schema verkommene Kram, den Eminem immer schon fabriziert hat. Bin insofern selbst eher auf der "Contra"-Seite.
    Aber Martin Büsser... hm. Gab da vor Jahren schon einmal einen Artikel von ihm, der komisch bei mir hängen geblieben ist. Hauptsächlich, weil er Differenzierungsvermögen und ein Verständnis für Doppelbödigkeit in einem Mass vermissen liess, das bei mir dafür sorgte, dass ich beim Lesen im Kopf plötzlich anfing, Büsser gegenüber Dinge zu verteidigen, die ich eigentlich selbst völlig indiskutabel finde.

    Um nun zu Eminem zu kommen - wenn jemand meint, dass "Sitting nude in my living room, it's almost noon / I wonder what's on the tube maybe they show some boobs" 'stereotyp das mieseste Frauenbild auf Erden' wiederhole, dann weiss ich nicht einmal, wo ich mit der Erwiderung anfangen soll.
    Ich versuche es trotzdem: das ist für mich ganz klar die Beschreibung der Nachmittagsgestaltung eines ziemlich armen Würstchens. Man denke mal drüber nach - es ist fast Mittagszeit und jemand sitzt nackig im Wohnzimmer und zappt durchs TV, in der Hoffnung, ein paar Brüste zu sehen zu bekommen.
    Ist da die erste Assoziation "reicher HipHopstar, dem das andere (und/oder auch das eigene) Geschlecht zu Füssen liegt", oder "arme Wurst, die perspektivlos zu Hause hängt und sich zunehmend von der Welt verabschiedet" ?
    Die eigentliche Frage ist eher, ob man die Textzeile auf einen Arbeitslosen bezieht, oder auf einen entfremdeten Musikstar, ähnlich der Figur Pink im Film "The Wall".

  • repokid 09.07.2009 | 23:19:15
    every rose has its thorns
    Ist da die erste Assoziation "reicher HipHopstar, dem das andere (und/oder auch das eigene) Geschlecht zu Füssen liegt", oder "arme Wurst, die perspektivlos zu Hause hängt und sich zunehmend von der Welt verabschiedet" ?


    die noch spannendere frage ist allerdings, was ist, letztlich, doch cooler?

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