Blumio
»Yellow Album«
[Japsensoul / Al!ve]
Text:
Benjamin Walter
Japsenrapper Blumio macht weiter, immer weiter, so weit, wie es geht. Wer mehr wissen will, muss hier irgendwie auf den Link drücken.
Der "Japse des Bösen", der 23-jährige Rapper Blumio aus Düsseldorf, veröffentlicht nach seinem Mixtape, etlichen Features und dem YouTube-Hit "Meine Lieblingsrapper" nun sein Debütalbum, und es ist etwas albern, musikalisch überambitioniert, aber auch sehr witzig, eigen und unglaublich unterhaltsam geworden.
Es bricht mit herrschenden Klischees und will mit der fröhlich grinsenden Asiatenkarikatur auf dem Cover so gar nicht ins gängige Bild passen. Eine Riesenüberraschung? Grund genug für ein paar grundsätzliche Überlegungen. Kein Musikstil ist so selbstreflexiv wie Rap. Rap handelt von Rap und kommentiert in jedem Stück, mit jedem Album seine Entwicklung, seine Höhenflüge und seinen Niedergang aus den unterschiedlichsten Perspektiven. Wie jede Musikrichtung mit angeschlossener Jugendkultur kreiert und folgt Rap dabei Trends und Moden, und so blickt momentan eine medial aufgescheuchte Öffentlichkeit besorgt ins Ruhrgebiet oder nach Berlin - sieht Hass-, Porno- und Gewaltrap - und meint, dass eine ganze Jugend, angeführt von zweifelhaften Idolen wie vom Rattenfänger, in die Illegalität und Verwahrlosung rutscht. Aber lange vor Jugendschützern und Politikern wurde das Problem schon an anderer, wichtigerer Stelle entdeckt. Denn Rap sorgt sich auch um Rap, viel mehr als Indie um Indie, und er hat seine Selbstreinigungskräfte aktiviert. Dabei geht es Rap nicht vornehmlich um eine bessere Welt, es geht um besseren Rap, darum, die Kunst am Mic immer wieder neu zu erfinden, neue Haltungen und Stile auszuprobieren oder alte wiederzuentdecken. Aus dieser Perspektive hatte auch deutscher Gangsterrap seine Berechtigung, solange er spannend und neu war, aber wenn alle Drogen- und Pimpgeschichten erzählt sind, ist die Zeit für den Gegentrend da. Und egal, wie kaputt die Musikindustrie auch sein mag, und egal, wie viele ekelhafte, sexistische, homophobe und in erster Linie langweilige Alben in diesem Monat noch erscheinen werden, es geht immer weiter mit Rap. Zum Beispiel mit Blumio und dem "Yellow Album" und Lines wie: "Hey Bruder, warum bist du denn so aggressiv? Häng doch auch mal ab mit ein paar netten Mathefreaks."
Blumio ist dabei letztendlich weder die Rettung des Rap noch ein bloßer Spaßvogel, sondern ein junger, hungriger Künstler, der nach oben will. Denn nur so schreibt sich die Geschichte fort. Mit 18 Tracks voller Witz, Selbstironie und Gepöbel vom selbst erklärten Japsen. HipHop is still okay.
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