Green Day
»21st Century Breakdown«
Text:
linus volkmann
Die perfekte Radio-Ästhetik, die der Blockbuster-Produktion geschuldet ist, entbehrt nicht einer gewissen Ungeilheit - sonst weiterhin ambitionierter Punk-Oper-Quark.
Ehrlich? Ehrlich! Also: Mit der letzten Platte "American Idiot" hatten wir Green Day schon halb hämisch verabschiedet, sie ihren von hinten kommenden Adepten wie Sum 41 oder Blink 181 zum Fraß vorgeworfen. Warum? Weil wir fälschlicherweise dachten, die sweete Holzhammer-Kritik des amerikanischen Idioten sei letztlich so sanft und egal, dass sie letztlich nur als bloße Rebellen-Pose tauge.
Zum In-den-Schrank-Stellen, gähn und tschüss - so dachten wir, die deutschen Idioten. In Wahrheit machte die Pose des koketten Selbsthasses im Mutterland der Vaterlandsliebe aber doch einiges mehr her. "American Idiot" war das Fanal des demokratischen, geschundenen Amerikas und geriet so zu einem Monolithen des Jahrzehnts. Ein größerer Ruhmesflash als nach "Dookie" war die Folge. Danach hielten sich die drei Protagonisten auch erst mal bedeckt, machten ein Inkognito-Sidekick-Album als Foxboro Hot Tubs - aber zuletzt half alles Trödeln nicht mehr, der Nachfolger des Millionensellers musste her. Statt dabei einen Gang rauszunehmen und Campino'esk mit dem Argument zu hoolen: "Vielleicht machen wir für die nächste Platte auch wieder nur zwölf Sauflieder", stattdessen gibt es erneut die Punk-Oper. Ein Widerspruch in sich, klar, aber was wissen wir denn schon? Die Leichtigkeit früherer Tage ist mit dieser Platte nun wirklich passé, die Texte haben alle einen wertvollen Sinn, Green Day sind so U2 - da kommt Bono bald nicht mehr nach. Achtung, der Unsatz überhaupt: Für Fans bestimmt große Klasse. (Lies: "schnarch!") Nee, wirklich. Nur wer wirklich schlaue Texte abseits von moralischem Liberalismus hören möchte, wird in diesem privilegierten Werk hier immer noch nicht zum Zuge kommen. Ein bisschen mehr schade ist schon, dass man dem Sound, dass man jeder Gitarre anhört, dass sie hundertmal durch Kompressor und Computer gingen. Die daraus folgende perfekte Radio-Ästhetik des Albums entbehrt nicht einer gewissen Ungeilheit. Sonst aber alles spitze! Und von Sum 41 spricht auch keiner mehr.
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