Misses Next Match
»Ob Festzelt oder Großraumdisco«
Text:
linus volkmann
Ska-Anmutungen im Sound, New-Wave-Kühle überall, eine Stimme wie Pedder von Daily Terror und eine Rhythmik, die man entblätterter nur von Trio kennt.
(Pop Up 2009, Leipzig. Ein örtlicher Skinhead steht im Club, auf seiner Brust prangt ein langer Schriftzug, kann man nicht ganz lesen, weil er versehentlich noch ein Hemd trägt. Schnitt. Der Typ hat sich mittlerweile als Hamburger entpuppt, ist kein Skin, sondern Neo-Apostoliker, und der Claim auf seiner Brust ist kein Hassverbrechen, sondern ein Bibelspruch auf Englisch.
Zudem singt er in der Band Misses Next Match. Unter diesen stromunlinienförmigen Voraussetzungen muss man die aktuelle Platte doch noch mal genauer begaffen. Ist ja aber auch schräg, das Ding: Ska-Anmutungen im Sound, New-Wave-Kühle überall, eine Stimme wie Pedder von Daily Terror und eine Rhythmik, die man entblätterter nur von Trio kennt. Kein Gedanke bei dem Album daran, wie kartografiert der hiesige Pop mitunter wirkt. Misses Next Match ächzen an jeder Ecke, und an einigen der Kanten brechen sich Band und Hörer gleichermaßen einen ab. Die Texte obendrauf halten das Verstörungslevel, "Wer neu ist im Fight Club muss kämpfen" zum Beispiel, und in Kenntnis der exzessiven Spartenreligiosität (wenn man das so nennen kann) bekommen Titel wie "Don't Paint The Devil On The Wall" oder "Wenn wir durch die Hölle gehen" noch eine weitere Ebene. Selbst wer schon alles kennt, kennt das hier noch nicht.
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