Roskilde
»The Music. The Party. The Feeling.«
Text:
Christine Franz
Es gibt Festivals, die sollte man zumindest ein Mal in seinem Leben besucht haben. Das Glastonbury in England zum Beispiel oder das Roskilde in Dänemark.
Beide entstanden in den frühen 70ern aus der Hippie-Bewegung und sind inzwischen so groß wie mittlere Kleinstädte. Beiden Festivals geht es auch heute noch um den Spirit, nicht um die zielgruppengerechte Werbeplatzierung. Schon 2006 hat Julien Temple dem Glastonbury Festival mit seiner gleichnamigen Doku ein Denkmal gesetzt. Jetzt ist endlich auch Roskilde mit einem eigenen Film an der Reihe.
Wie schon Julien Temple geht es auch Anne und Ulrik Wivel bei ihrem Festivalporträt weniger um die großen Namen. Wir erleben zwar einen verstörend schönen Moment des Sonic-Youth-Auftritts aus dem Jahr 2005, sehen die Editors, Franz Ferdinand und die Wainwright-Geschwister auf der Bühne. Doch die wahren Helden von "Roskilde" sind die Besucher: die schwedische Traveller-Familie mit ihrem pinkfarbenen Festivalbus, die beiden herrlich selbstironischen Rollstuhlfahrer, der aufgeregte junge Musikjournalist, die Aktivisten der anarchistischen Mikronation Christiania und der obligatorische Typ ohne Ticket (der natürlich trotzdem reinkommt). Eine klassische Live-DVD sollte man hier also nicht erwarten, dafür aber eine Liebeserklärung an dieses wunderbare Festival und seine ganz eigene Kultur. Und dazu gehört auch ein Blick in das dunkelste Kapitel der über 30-jährigen Roskilde-Geschichte: die Toten vom Pearl-Jam-Gig im Jahr 2000. Aber auch diese Episode wird ohne großes Spektakel, dafür aber mit umso mehr Feingefühl aus Fan- und Veranstalterperspektive erzählt. Ein Film für alle, die's in diesem Jahr nicht selbst hinschaffen, und natürlich für alle Camping-Hasser (soll's ja geben).
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