Capillary Action
»So Embarrassing«
[Discorporate / Soulfood]
Text:
andreas schnell
Genug von Takten mit vier Vierteln? Genug von Musik, die es erlaubt, für ganze Songs (wir sprechen schließlich von jeweils mehreren Minuten wertvoller Lebenszeit) eine (in Zahlen: 1) Geschwindigkeit anzugeben?
Klar: Zappa, Mr. Bungle, Idiot Flesh - es gibt die Wunder abseits der Wege. Aber klar ist ja auch: Deren Rarität hat ihren Grund. Rockwunderkinder kommen eben nicht jedes Jahr auf die Welt.
Gerade 22 Jahre ist es her, dass Jonathan Pfeffer das Licht der Welt erblickt und sich offenbar in Rekordzeit zu einem ausgewachsenen Irren entwickelt hat, der die elf Preziosen dieses Albums mitsamt ausgefuchsten Arrangements für Bläser und Streicher schrieb, natürlich im Wissen um beispielsweise die Genannten, aber auch einen Berg anderer aufregender Musik. Free Jazz und die klassische Musik des 20. Jahrhunderts teilt er mit Patton, Zorn und Zappa als wesentliche Einflüsse, weist aber Ähnlichkeiten als bloß aus den erwähnten gemeinsamen Vorlieben resultierend zurück. Erklärte Vorbilder: Varèse, Don Cherry, Shudder To Think. Wobei derlei Diskussionen Einzelnen ja nicht so wahnsinnig interessant sind. Jedenfalls nicht so aufregend wie diese Musik. Mit einer an Elvis Costello erinnernden Stimme steht Pfeffer einer Musik vor, die im Handumdrehen zwischen Flamenco und atonalen Eruptionen, zwischen komplexen Heavy-Rock-Exegesen und samten unterlegtem Belcanto wechselt und dabei immer in prägnante Stücke gegossen ist.
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