Crystal Antlers
»Tentacles«
[Touch And Go / Soulfood]
Text:
Martin Büsser
Man muss schon sehr viel Testosteron überhaben, um diesem mit Deep-Purple-Orgel unterfütterten Rock etwas abgewinnen zu können.
In einer Zeit, wo kein Revival mehr Angst haben muss, der Peinlichkeit bezichtigt zu werden, kann es eben auch zu so etwas kommen: Bluesrock mit Gitarrengegniedel und einem Sänger, dessen berüchtigte Reibeisen-Stimme ähnlich mulmige Reaktionen auslöst wie die von Joe Cocker.
Dann aber auch leichte Zweifel gegenüber dem eigenen Ekelgefühl: Sollte der Blick auf das altehrwürdige Touch-And-Go-Label einen nicht stutzig machen? Schließlich ist dieses Label selten durch absolute Tiefschläge aufgefallen. Also: zweite Chance. Manche Nummern bleiben bei dem Versuch, dies wohlwollend zu betrachten, so klaustrophob wie der Besuch eines Steppenwolf-Konzerts in einem Biker-Treff in Alabama, doch dazwischen fällt auf, wie zerfahren die Crystal Antlers oft sind. Viele Songs sind gar nicht wie Songs konzipiert, sondern hören sich nach einem langen Intro zu einem Song an, der dann doch nicht kommt, sondern in sandigem Gitarrengeflirre verebbt. In ihren starken Momenten, die immerhin ein gutes Drittel dieses Longplayer-Debüts ausmachen, scheinen die Crystal Antlers dem rockistischen Schweiß- und Muskel-Monstrum zu misstrauen, das sie da erschaffen haben, dann aber kommen wieder Stücke wie das titelgebende "Tentacles", die alle No-Go-Elemente von Rock überstrapazieren. Wir brauchen keine neuen Deep Purple, keine neuen Blue Cheer, keine neuen Procul Harum. Manche Dinge sind nun mal dazu da, sie ein für alle Mal zu überwinden.
Fan werden? Anmelden oder einloggen!
Artikel kommentieren
» Crystal Antlers - Tentacles für 8.99€ bei iTunes kaufen
» Crystal Antlers - Tentacles bei Amazon kaufen
Mehr Infos
Diese User besitzen die Platte
Kommentare
Artikel kommentieren - Mehr Forumsdiskussionen





